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Roboterökonomie als Wachstumsmotor

Von Andrea Möchel

Wirtschaft

Künstliche Intelligenz kann die Wirtschaft befeuern und neue Jobs kreieren, sofern sie richtig eingesetzt wird.


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Wien. Am Vormarsch neuer Technologien wie der Künstlichen Intelligenz scheiden sich die Geister. Viele nehmen diese als Bedrohung wahr und fürchten den massenhaften Verlust von Arbeitsplätzen. Andere sehen in der fortschreitenden Digitalisierung vor allem wirtschaftliches Potenzial. Fest steht: Künstliche Intelligenz (KI) ist in der Wirtschaft längst angekommen. Ihr Einsatz reicht von digitalen Sprachassistenten über Kundenberatung durch Chatbots, bis hin zu medizinischen Diagnose-Assistenten und zum autonomen Fahren.

Die Frage ist nicht mehr, ob KI in die Unternehmen einziehen soll, sondern wann. "Organisationen sind von den Vorteilen, die Künstliche Intelligenz bringen kann, mittlerweile überzeugt. Nun fragen sie sich, wo und wie sie investieren sollen", bringt es Gordon Schembri, Manager bei GE Oil & Gas, einem weltweit führenden Zulieferer der Öl- und Gasindustrie, auf den Punkt.

Mehr Wachstum,neue Jobs

GE Oil & Gas ist eines von 1000 Unternehmen weltweit, die das IT-Beratungsunternehmen Capgemini zum Einsatz Künstlicher Intelligenz befragt hat. Alle teilnehmenden Firmen setzen KI entweder im Rahmen eines Pilotprojekts oder bereits in größerem Stil ein. Und das mit einigem Erfolg, wie aus der Studie hervorgeht. Demnach berichten 83 Prozent der Unternehmen, dass KI neue Aufgaben und damit Jobs in ihren Organisationen geschaffen hat. Und der Einsatz Künstlicher Intelligenz tut offenbar auch den Wachstumschancen gut. Drei Viertel der Unternehmen steigerten ihren Absatz um zehn Prozent, und führen dies direkt auf den Einsatz von KI zurück. Auch die verbreitete Angst vor der sogenannten "Roboterökonomie" als Jobkiller ist laut der Studie unbegründet: "Vier von fünf Unternehmen haben durch Technologien der Künstlichen Intelligenz neue Jobs geschaffen", rechnet Capgemini vor. "Das sind in erster Linie Jobs für erfahrene Kräfte, entstehen doch zwei von drei Stellen im Führungskräfteumfeld." Außerdem gaben mehr als 63 Prozent jener Unternehmen, die KI bereits im großen Stil verwenden an, dadurch keine Stellen abgebaut zu haben.

Eine Studie des Technologieberaters Accenture kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Der erfolgreiche Einsatz von neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz könne in Österreich das Wirtschaftswachstum kräftig ankurbeln, ist man bei Accenture überzeugt. Bis 2035 könnte sich dadurch das jährliche Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sogar verdoppeln. "Das ist möglich, weil Routine-Prozesse in der Fertigung und im Büro mithilfe von KI deutlich effizienter zu bewältigen sind", begründet Michael Zettel, Österreich-Geschäftsführer von Accenture die Prognose.

Mit einem großen Verdrängungskampf Mensch gegen Maschine rechnet man auch bei Accenture nicht. Es werde sich aber die Art der Arbeit verändern. Kognitive und manuelle Routinearbeiten werden weniger, menschliche Kern-Kompetenzen wie Kreativität oder emotionale Intelligenz an Bedeutung gewinnen. So werden die Beschäftigten sich künftig viel stärker mit kreativen Aufgaben und Innovationsfragen befassen, die eine höhere Wertschöpfung als die bisher ausgeübten Tätigkeiten bringen werden.

Zudem könnten monotone Prozesse in der Fertigung und im Büro durch Einsatz der neuen Technologien noch effizienter ausgeführt werden. "In den nächsten zwanzig Jahren wird Künstliche Intelligenz unsere Wirtschaft und unsere Art zu arbeiten mehr als jede andere Technologie verändern", sagt Zettel. "Österreich kann von der Nutzung intelligenter Roboter und selbstlernender Maschinen besonders profitieren. Gerade im Dienstleistungsbereich gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Künstliche Intelligenz, etwa die Beantwortung von Kundenanfragen durch virtuelle Agenten oder die Automatisierung von standardisierten Abläufen."

"Must-do-Anwendungen" mit hohem Nutzenpotenzial

Für einen erfolgreichen Einsatz müssen Unternehmen ihre KI-Investitionen allerdings auf ihre Geschäftschancen abstimmen, betonen die Experten. "Künstliche Intelligenz hat die Fähigkeit, jedes Geschäft in jeder Branche tiefgreifend zu verändern. Aber es zeigen sich starke Unterschiede zwischen denen, die KI-Lösungen bereits im großen Stil einsetzen und die Früchte ernten und jenen, die die Technologie nur versuchsweise nutzen", betont Capgemini-Manager Volker Darius. Bemerkenswert sei auch, dass die Mehrheit der Organisationen (58 Prozent) mehr Anstrengungen auf komplexe KI-Projekte mit hohem Nutzen, sogenannten "Need-to-do-Anwendungen" verwenden. Dazu gehören unter anderem Themen rund um den Kundenservice oder autonomes Fahren. Auf sogenannte "Must-do-Anwendungen" mit hohem Nutzenpotenzial und geringer Komplexität setzen hingegen nur 46 Prozent der befragten Firmen. Beispiele hierfür sind Fehlererkennung und der Einsatz von Chatbots und virtuellen Assistenten. "Unternehmen sollten sich vielmehr auf diese weniger komplexen Projekte mit hohem Gewinn konzentrieren", lautet der Rat von Volker Darius. "Jene Firmen, die viele Must-do-Anwendungsfälle realisieren, senken ihren Ausschuss durchschnittlich um bis zu 26 Prozent."