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Roche will Innovationen, "völlig wurscht, woher"

Von Petra Medek aus der Schweiz

Wirtschaft

Nettogewinn ging um 5 Prozent zurück. | Erwartete Umsatzrückgänge aus Grippemittel Tamiflu. | Basel. Innovationen sind die Antwort des Basler Pharmakonzerns Roche auf die Krise. Die Entwicklung neuer Medikamente ist zwar wesentlich kostenintensiver als die Herstellung von Generika. Trotz Sparmaßnahmen werde der Markt für innovative Medikamente nicht einbrechen, meint Severin Schwan, Vorsitzender der Konzernleitung der Roche-Gruppe.


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Für lebensverlängernde oder -erhaltende Arzneien werde immer Geld ausgegeben, sagte er am Rande der Jahrespressekonferenz. Die Linie des 40-jährigen gebürtigem Österreichers, der seit März vorigen Jahres im Chefsessel bei Roche sitzt, ist klar: Der Fokus soll auf Forschung bleiben, das werde sich langfristig rechnen.

Währung senkt Ergebnis

Für 2008 kann Schwan auf Erfolge von Medikamenten zur Behandlung von Hirntumoren oder Brustkrebs verweisen. Die Verkäufe von Krebsmedikamenten stiegen 2008 um 15 Prozent auf knapp 20 Mrd. Franken (13,4 Mrd. Euro).

Dass die Mehrzahl jener Roche-Präparate, die in den nächsten Jahren marktreif werden sollen, nicht aus dem eigenen Haus stammt, sondern von Kooperationspartnern, wertet Schwan nicht als Nachteil. "Mir ist völlig wurscht, woher die Innovationen stammen. Entscheidend ist, dass wir die Rahmenbedingungen dafür schaffen", so der Tiroler. Phänomenal gelaufen sei die Übernahme das US-Pharmaunternehmens Ventana, mit der sich Roche Know-how für die Gewebediagnostik eingekauft hat. Damit lassen sich Tumoren diagnostizieren.

Ganz ohne Einschnitte ist das vergangene Jahr für den erfolgsverwöhnten Konzern dennoch nicht verlaufen: Einerseits drückten Währungseinflüsse auf das Ergebnis. Andererseits trafen die erwarteten Verkaufseinbrüche in Höhe von 1,6 Mrd. Schweizer Franken (1,1 Mrd. Euro) bei dem Grippemittel Tamiflu ein. Das Präparat sollte gegen Vogelgrippe eingesetzt werden und war von Regierungen weltweit 2007 geordert worden.

Insgesamt sanken die Umsätze der Roche-Gruppe 2008 von 46,1 auf 45,6 Mrd. Franken (30,6 Mrd. Euro). Ohne Tamiflu ergibt sich eine Steigerung um zwei Prozent auf 45,4 Mrd. Franken; ein Plus von 10 Prozent in lokalen Währungen. Der Konzerngewinn fiel um 5 Prozent auf 10,8 Mrd. Franken (7,3 Mrd. Euro).

Angebot an Aktionäre

Nicht reibungslos geht die geplante Übernahme der US-Pharmafirma Genentech über die Bühne. Roche will die noch nicht in ihrem Besitz befindlichen rund 44 Prozent an Genentech schlucken, womit sich der Basler Konzern zum Marktführer auf dem Gebiet der biotechnologischen Krebsmedikamente krönen könnte.

Nachdem die Gespräche mit dem Ausschuss der Verwaltungsrates gescheitert sind, hat Roche einen Gang höher geschaltet und sich gleich an die Aktionäre des Herstellers von biotechnologischen Medikamenten gewendet. Nächste Woche soll das Angebot mit allen Details vorliegen, kündigt Schwan an. Eine Deadline setze er aber nicht.