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Roche: Wir müssen von der Schweinegrippe lernen

Von WZ Online

Wissen

Die Welt ist mit einer Influenza-Pandemie konfrontiert. Doch sie brach anders aus und entwickelte sich anders als es die gesamte Expertenwelt erwartet hatte. "Wir müssen aus dieser Feuerprobe eine Menge lernen", erklärte der Chef der Pharmasparte von Roche, William Burns.


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"Wir waren seit dem Jahr 2001 bemüht, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und den einzelnen Staaten zu helfen, sich auf eine solche Pandemie vorzubereiten", sagte Burns. "So hatten wir längst schon fünf Millionen Packungen unseres Influenza-Medikaments Tamiflu gespendet, um im Fall eines Ausbruchs einer solchen Erkrankung vorbereitet zu sein. Doch das war auf die Vogelgrippe H5N1 und für Asien ausgerichtet. Niemand erwartete den Ausbruch einer Schweinegrippe in einem Ballungszentrum wie Mexico City und in einem Land, das eben nicht so gut vorbereitet war."

Bisher hatte die Welt laut dem Roche-Pharma-Chef allerdings noch ziemliches Glück: "Die gute Nachricht ist, dass der nun dominante A(H1N1)-Stamm nicht so schlimm ist, wie man das befürchtet hat. Aber wir müssen daraus lernen und auch Werkzeuge für den Fall entwickeln, dass die gegenwärtige Situation schlimmer wird. Und H5N1 könnte noch immer Probleme bereiten."

Insgesamt hat Roche in den vergangenen Jahren laut Catherine Steele, der stellvertretenden Leiterin des Pandemieteams des Unternehmens, zahlreiche Maßnahmen gesetzt, um Zugang und Versorgung mit dem antiviralen Medikament Tamiflu (Freiname: Oseltamivir) möglichst zu gewährleisten:

- Schon während der Pandemie-Phase 4 wurden für die WHO die Notfallreserven bereitgestellt

- Als es klar wurde, dass mit Phase 5 und Phase 6 ein Eindämmen der Pandemie nicht mehr möglich ist, wurden mit der WHO Maßnahmen für die Prioritäten der Versorgung mit Tamiflu abbesprochen.

- Für die ärmsten Länder der Welt gab Roche die Patentrechte auf Tamiflu frei.

- Für Entwicklungsländer gelten seit 2004 niedrigere Preise für das Medikament als in den den Industriestaaten.

- In China und Indien erhielten Pharma-Unternehmen Sublizenzen, es gab einen Wissenstransfer zur Tamiflu-Produktion in Südafrika.

- Die Produktionskapazitäten betrugen im Jahr bereits vier Mrd. Kapseln an dem Medikament, das macht die Behandlung von 400 Mio. Patienten möglich.

- Bisher haben 96 Staaten der Erde rund 270 Mio. Packungen auf Lager. In Österreich lagern antivirale Medikamente für rund 4,2 Mio. Patienten.

Österreich: 50 Prozent Versorgungsgrad

Österreich liegt übrigens mit einem Versorgungsgrad an Anti-Influenza-Medikamenten für rund 50 Prozent der Bevölkerung international an vierter Stelle. Nur Großbritannien hat mit einem Deckungsgrad von rund 80 Prozent deutlich mehr eingelagert.

Bei den staatlich eingelagerten Tamiflu-Vorräten setzt der Konzern auf eine enge Zusammenarbeit mit den einzelnen Ländern. Catherine Steele: "Wir haben für diese Vorräte in den USA und in einer Reihe von anderen Staaten die empfohlene Aufbrauchfrist von fünf auf sieben Jahre verlängert. Wir haben bereits eine Methode entwickelt, um den Wirkstoff auch aus Kapseln wiederzugewinnen und in neue Kapseln abzufüllen." Man sammle laufend Stabilitätsdaten zu den Vorräten, um möglichst optimale Entscheidungen über die Lagerfähigkeit zu ermöglichen."

(APA)