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Am Ende behielt Monika einmal mehr Recht. "Du wirst deine Traumfrau finden", hatte sie wieder und wieder gesagt, wenn ich völlig frustriert war wegen der vielen ergebnislosen Treffen, ob all der Körbe, die ich hatte einstecken müssen, und wegen der unendlich langen Zeit, die verging, ohne dass ich endlich die lang ersehnte neue Liebe fand.
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Du wirst sie finden", sagte Monika voller Nachdruck. "Und glaub mir: Wenn du sie triffst, dann wird es anders sein als bei all den Verabredungen zuvor. Du wirst das Gefühl haben: Dies ist nicht irgendein Treffen. Es ist etwas Besonderes." Woher Monika das nur wusste?
Als ich Amrei dann endlich traf - nach mehr als 15 Monaten der Suche - da war es tatsächlich nicht irgendein Treffen, es war etwas Besonderes.
Aber ich greife vor. Zunächst einmal hatte ich mir eine Auszeit verordnet von der Suche - eine Partnersuchpause. Ich wollte wieder mehr Zeit für mich haben, wollte abends Joggen gehen und öfter ins Theater. Der Vorsatz mit dem Theater blieb ein frommer Wunsch, aber Laufen ging ich regelmäßig.
Schon bei meiner ersten Runde durch den Park fiel sie mir auf. Sie kam mir auf dem Fahrrad entgegen, das blonde Haar wehte sanft im Wind und sie strahlte mich an. Ihr Gesicht kam mir bekannt vor. Wo war sie mir nur schon vorher begegnet? Unsere Blicke trafen sich, sie strahlte noch immer. Ich lächelte zurück. Ich war etwas irritiert und drehte mich sogar um, um zu sehen, ob da nicht irgendjemand anderer war, dem ihr Lächeln galt. Aber da war niemand. So war es jetzt oft. Ich lief abends ein paar Runden durch den Park, und auf der langen Geraden, da, wo die Allee auf das Schloss zuging, kam sie mir entgegen. Sie lächelte mich freundlich an, wie einen alten Bekannten. Ich lächelte zurück.
Frühere Begegnung. Nach zwei Wochen endlich hatte ich eine Idee, woher ich sie kannte. Wir waren vor Monaten eines Abends beinahe einmal zusammengestoßen. Sie war auf ihrem Rad auf dem Fußweg gefahren und ich war so in Gedanken versunken gewesen, das ich sie nicht bemerkt hatte. Kein Zweifel - das war sie.
"Und wie lange willst du sie jetzt anstarren wie ein Honigkuchenpferd?", fragte Monika verständnislos. "Ich habe eine Suchpause", erwiderte ich eingeschnappt. "Außerdem, warum soll eigentlich immer ich den ersten Schritt machen? Ihr Frauen seid doch heute gern so emanzipiert!" Monika warf mir einen mitleidigen Blick zu. Dann sagte sie: "Wir Frauen tun den ersten Schritt. Das habe ich dir doch schon einmal erklärt." Ich erinnerte mich dunkel an ihre Ausführungen. Demnach sprachen Männer Frauen nur dann an, wenn die Frauen sie dazu ermuntert hatten. "Und deine Fahrradfahrerin hat bereits den ersten Schritt getan", sagte Monika. "Sie hat dich angelächelt. Richtig?" Ja, das stimmte. "Noch mehr Initiative von ihrer Seite wäre doch wohl übertrieben", setzte Monika sarkastisch hinzu: "Oder bist du etwa so emanzipiert, dass sie vom Fahrrad steigen und dich dann zu einer Tasse Kaffee einladen sollte? Wenn du mich fragst, jetzt bist du am Zug."
Das war leicht gesagt. Doch welchen Zug sollte ich machen? Ich wusste nicht, woher sie kam, und auch nicht, wohin sie fuhr. Nein, ich würde sie nicht mit rudernden Armen zum Anhalten bringen, um sie dann um ein Rendezvous zu bitten. Es musste doch subtilere Möglichkeiten der Kontaktaufnahme geben. Ich beschloss, meine Laufrunden zu verändern, um herauszufinden, wohin sie mit dem Fahrrad fuhr. Einige Tage später wusste ich es. Ich fand ihr Rad angeschlossen vor der Musikschule.
Alle lieben Rosen. "Rosen!", sagte Monika ganz entschlossen. "Versuch es mit Rosen. Fast jede Frau träumt davon, dass ein heimlicher Verehrer ihr Blumen schickt. Oder hinter die Windschutzscheibe klemmt." Monika schaute ganz versonnen. Ihre Wangen leuchteten in zartem Rosa. "Oder sie ans Fahrrad steckt", ergänzte sie.
Ja, warum eigentlich nicht? Ich konnte es versuchen, zu verlieren hatte ich ja nichts. Ich verlegte meine Laufzeit nach hinten, lief beim Blumenladen vorbei, band ein Bändchen an die Rose und hängte sie mit einer Schlaufe an den Fahrradlenker. Dann schaute ich mich verstohlen um, ob jemand mich gesehen hatte, und lief weiter. "Ich hätte zu gerne ihr Gesicht gesehen, als sie die Rose an ihrem Fahrrad sah", sagte Monika. Sie klang richtig aufgeregt. "Und, wie geht es weiter?" Fünf Rosen hatte ich mir vorgenommen, bevor ich etwas unternehmen wollte. So trabte ich jeden Abend los, befestigte die Rose an ihrem Rad und verschwand dann wieder. "Das wird sie bestimmt neugierig machen", sagte Monika ganz begeistert. "Sie wird ganz gespannt sein, wer ihr unbekannter Verehrer ist."
Am fünften Abend ließ ich das Laufen ausfallen. Ich duschte, zog mir ein frisches Hemd an und ging los. Wieder hängte ich die Rose an den Lenker. Dann setzte ich mich auf eine Bank in der Nähe und wartete. Die Abendsonne schien mir angenehm warm ins Gesicht. Nach einer Viertelstunde kam sie heraus. Ihr Blick ging sofort hin zu ihrem Fahrradlenker. Ich sah, wie sie lächelte. Und dann sah sie mich.
Das erste Treffen. Drei Tage später hatten wir unsere erste Verabredung. Wir trafen uns in einem mexikanischen Restaurant bei ihr in der Nähe. Wir waren beide schrecklich nervös, aber die Anspannung ließ schnell nach. Wir plauderten. Amrei lachte viel und sie lachte gerne. Unsere Blicke begegneten sich, je später es wurde, umso häufiger. Und beim Griff nach dem Salzstreuer berührten sich unsere Hände ganz zufällig. "Es war ein sehr schöner Abend", sagte ich zum Abschied. Sie schaute mich kurz an und sagte nur leise "Ja". Sie behielt meine Hand viel länger in der ihren als nötig. Es kam mir fast so vor, als wolle sie sie gar nicht mehr loslassen.
"Super", sagte Monika ganz begeistert. "Wann wirst du sie anrufen?" Ich entschied mich, einen Tag zu warten und rief am übernächsten Abend bei ihr an. "Ich würde dich gerne wiedersehen", sagte ich und legte so viel Nachdruck in meine Stimme, wie ich konnte. Monika hatte mir dazu geraten. "Sie muss deutlich spüren, dass du sie unbedingt wieder sehen willst." Amrei sagte "gerne", nur dieses eine Wort, und atmete hörbar aus.
Worüber redet man eigentlich bei einem zweiten Treffen und worüber nicht? Sind Fragen zur letzten Partnerschaft erlaubt oder noch zu indiskret? Ich wusste es nicht, und auch Monika konnte es nicht sagen. "Vertrau doch einfach deinem Gefühl!", riet sie mir. "Wenn sie sehr zurückhaltend ist, dann gehen ihr solche Fragen vielleicht zu weit. Aber das wirst du spüren."
Amrei war, wie sich herausstellte, seit fünf Jahren Single, beinahe genauso lange wie ich. "Er war nicht treu", sagte sie nur - und es war klar, dass sie nicht mehr dazu sagen wollte. Ich wechselte schnell das Thema. Warum hatte sie mich eigentlich so selbstverständlich angelächelt?
"Ich dachte, einen Mann, der so interessante Bücher liest, den würde ich gerne mal kennenlernen." Ich schaute sie fragend an. Woher wusste sie, welche Bücher ich las? Nun sah sie ganz erstaunt drein. "Aber du warst doch bei uns in der Buchhandlung und hast nach einem Buch gesucht mit dem Titel Wer passt zu mir?, erinnerst du dich nicht mehr?" Mich traf der Schlag! Richtig, letztes Jahr am Valentinstag hatte ich meine Partnersuche gestartet und mir in einer Buchhandlung einige Bücher zu dem Thema heraussuchen lassen. Jetzt, wo Amrei es erzählte, kam auch bei mir die Erinnerung wieder. Sie hatte mich schon damals so aufmunternd angelächelt.
Ende gut, alles gut. "Das hättest du aber schneller haben können", zog Monika mich auf. "Immerhin brauchst du dich jetzt nicht mehr zu grämen, dass andere schneller am Ziel sind als du." Neulich erst hatte ich mich bei ihr beklagt, dass der französische Präsident schon nach sechs Wochen des Singleseins wieder eine neue Partnerin hatte. "Du hast deine Frau bereits am gleichen Tag kennengelernt, an dem du mit der Partnersuche angefangen hast."
Ach, was sollte es. Ich hatte sie am Ende jedenfalls doch getroffen. Ich hatte meine Traumfrau gefunden - das allein zählte. Und auch sie war überglücklich. Und ob sie gespannt gewesen war, wer ihr unbekannter Verehrer war! Das hat sie mir Monate später gestanden, als wir schon längst ein Paar waren. "Aber eigentlich war ich mir beinahe sicher, dass du es bist", sagte sie. Dass Frauen sich immer so sicher sind in solchen Dingen! Sie streichelte mir bei diesen Worten sanft mit den Fingerspitzen über die Brust und schaute mich ganz versonnen an. Dann küsste sie mich leidenschaftlich.
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