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Rot-weiße Bändchen zu Frühlingsbeginn

Von Todor Ovtcharov

Politik
Wer genau schaut, findet die Martenizi Ende März.
© © Todor Ovtcharov

Martenizi sollen "Baba Marta" gnädig stimmen, damit sie keine Kälte schickt.


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Wien. Wenn die Wiener auf einmal wieder in den Schanigärten sitzen und die Bäume in den Parks zu blühen beginnen, dann scheint eines klar: Der Winter ist - vorläufig - überstanden. Haben Sie je die weiß-roten Bändchen bemerkt, die dann Ende März und Anfang April an den Ästen der blühenden Bäume in den Wiener Parks hängen? Nein, das ist keine Installation von einem modernen Künstler oder das Werk irgendeiner religiösen Sekte. Diese Bändchen wurden dort von den in Österreich lebenden Bulgaren aufgehängt und heißen "Marteniza".

In der bulgarischen Folklore werden alle Monate als Männer personifiziert. Nur in dem Monat März sehen die Bulgaren eine Frau, die alte launische Baba Marta, was Oma Marta bedeutet. Laut einem verbreiteten Volksglauben haben ihre Brüder Jänner und Februar - der große und der kleine Setchko - ihr den gut gehüteten Wein ausgetrunken, um über den kalten Winter zu kommen. Deshalb ist Baba Marta ihren Brüdern manchmal sehr böse, aber weil sie doch zur Familie gehören, vergibt ihnen Baba Marta ab und zu die Sünden und lacht wieder. Mit der launischen Baba Marta erklärten sich die alten Bulgaren die raschen Wetterwechsel im Monat März.

Aus Ehrerbietung für Baba Marta schenken sich die Bulgaren am 1. März und meistens bis zum Ende der ersten Märzwoche gegenseitig die weiß-roten Bändchen oder Aufhänger, die Marteniza. Sie werden als Zeichen für den Frühling getragen, und zwar so lange, bis man den ersten blühenden Baum oder einen Storch sieht. Dann wird die Marteniza an dem Baum aufgehängt oder unter einem Stein versteckt. Das Ritual ist auch in Rumänien und Moldawien verbreitet; dort heißt die Martenitza "Mărtişor". Martenizi gibt es auch in einigen Teilen Nordgriechenlands.

Das Schenken von Martenizi stammt aus der vorchristlichen Zeit und ist verbunden mit einem heidnischen Kult zur Natur, der immer am Ende des Winters stattfand. Die ursprüngliche Marteniza wird aus zwei Fäden - der eine weiß und der andere rot - die ineinander gewickelt sind, gemacht. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurden nur die Frauen und die Kinder mit den "Martenizi" beschenkt, erst danach bekamen sie auch die Männer. Heute werden "Martenizi" in verschiedenen Größen und Formen gemacht. Sehr verbreitet ist die Marteniza mit einer männlichen und einer weiblichen Figur - "Pizho und Penda".

Bulgaren werden auf einmal überall erkennbar

Das Herstellen und Verkaufen der Marteniza in Bulgarien hat sich zu einem wichtigen Saisonwirtschaftszweig entwickelt. In den letzten Februarwochen sind die bulgarischen Städten überflutet mit Ständen, bei denen Martenizi angeboten werden. Neben den traditionellen Bändchen und "Pizho und Penda" werden auch Martenizi in Form von verschiedenen Tieren, aber auch mit Fußballern, Popsängern und auch Politikern angeboten. Laut Andrej, der seit Jahren Martenizi verkauft - früher auf der Straße, jetzt in einer Shoppingmall -, ist dieses Jahr die Nachfrage nach Marteniza mit Dimitar Berbatow, dem sehr erfolgreichen bulgarischen Fußballspieler, der bei Manchester United spielt, besonders hoch.

Im März kann man die Bulgaren von Wien bis nach Vancouver von den anderen Leuten unterscheiden. Durch diese kleinen weiß-roten Bändchen werden sie zu einem Volk. Die Bulgaren in Wien können hier keine Martenizi kaufen. Deshalb machen sie sich ihre Martenizi selbst zu Hause, wie es ihre Vorfahren getan haben. Und nun, Ende März, wehen die weiß-roten Bändchen an den Bäumen - im Stadtpark etwa oder im Prater.