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Maoisten weiten ihren Terror aus. | Mehr Anschläge als in Kaschmir. | Raipur. (dpa) Die größte Bedrohung der inneren Sicherheit in der Geschichte Indiens sind Premierminister Manmohan Singh zufolge maoistische Rebellen. Dennoch wird das Problem international bis heute kaum wahrgenommen. Auch in Indien wurde es lange ignoriert. Doch inzwischen haben sich die Maoisten dort ins öffentliche Bewusstsein gebombt. Die Rebellen haben ihren Terror auf 160 der 604 indischen Distrikte ausgeweitet, ein roter Korridor erstreckt sich vom Nordosten bis in den Südwesten des Subkontinents. Die roten Rebellen sind eine reale Gefahr für die aufstrebende Wirtschaftsmacht.
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In den vergangenen Monaten überstieg die Zahl der Terroranschläge der Maoisten zeitweise die muslimischer Rebellen im weltweit beachteten Unruheherd Kaschmir. Mindestens 460 Inder kostete der maoistische Aufstand in der ersten Jahreshälfte das Leben. Am schwersten betroffen ist der zentralindische Bundesstaat Chhattisgarh.
Die Ziele der Maoisten klingen anachronistisch: Mit brutaler Gewalt kämpfen sie für das Ende der Demokratie und für die kommunistische Revolution. Die Zahl der maoistischen Kämpfer in Indien wird auf 20.000 geschätzt, die ihrer Unterstützer auf ein vielfaches davon.
Rund 50.000 Dorfbewohner sind vor der Gewalt geflohen, inzwischen gibt es Warnungen vor einem Bürgerkrieg. Vor kurzem überfielen Maoisten eines der schlecht gesicherten Flüchtlingslager in Chhattisgarh und metzelten mehr als 30 Menschen mit Macheten und Äxten nieder.
Beide Seiten setzen auf blutige Konfrontation
Das Problem liege am Mangel an Sicherheitskräften, sagt Chhattisgarhs Innenminister Ramvichar Netam in der Hauptstadt Raipur. Der Unionsstaat habe nur 32.000 Polizisten, viel weniger als der landesweite Durchschnitt. Dazu kämen 4500 Bundespolizisten. 20.000 bis 25.000 Polizisten mehr würden allein für den Kampf gegen die Maoisten benötigt - ihre Rekrutierung Jahre dauern. Die Sicherheitskräfte verfügen über keinen einzigen Helikopter. An ein baldiges Ende des Aufstands glaubt Netam nicht - und erst recht nicht an ein gewaltloses. Ob es eine friedliche Lösung geben könne? Der Minister verzieht das Gesicht und schüttelt den Kopf.
"Wir sind bereit zu Gesprächen, aber die Maoisten sind es nicht", sagt Netam. "Das kann man nur mit Gewalt regeln." In diesem einen Punkt sind sich Regierung und Rebellen einig. Ohne Blutvergießen könne die Revolution nicht stattfinden, sagt Suresh, der Kommandant eines lokalen Kampfverbandes im Westen Chhattisgarhs. "Für den Erfolg müssen wir tausende Menschenleben opfern." Demokratie ist für den Kommandanten Verrat an den Armen - und ein Auslaufmodell. Die rote Flagge werde bald nicht nur über Delhi wehen, davon ist Suresh überzeugt - sondern über der ganzen Welt.
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