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Rückkehr zum Roten Wien?

Von Veronika Gasser

Politik

"Es hat keine Umfrage gegeben, die dieses Ergenis vorausgesagt hätte", war die gerührte und freudige Reaktion von Bürgermeister Michael Häupl auf das Sensationsergebnis der SPÖ bei den Wiener Gemeinderatswahlen. VP-Obmann Bernhard Görg schloss eine weitere Zusammenarbeit mit einer dermaßen gestärkten SPÖ unter seinem Vorsitz aus. Die Grünen jubeln über ihren Erfolg und wollen sich für ihre Themen weiterhin stark machen. Wahlverlierer FPÖ sieht die Schuld am starken Verlust in der "gezielten Medienhetze". Die Liberalen, die aus dem Rathaus nun definitiv ausziehen, sehen die extrem schwierigen Rahmenbedingungen als unüberwindliche Hürde.


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Der überraschte und strahlende Sieger des Wahlabends heißt Michael Häupl: "Ich habe das Ergebnis noch nicht realisiert." Es überträfe seine kühnsten Erwartungen. Doch trotz Mandatsmehrheit (52) im Gemeinderat will er nächste Woche mit allen Parteien die Gespräche aufnehmen: "Koalitionen sind keine Sache der Befindlichkeit, sondern der Zusammenarbeit in Sachfragen." Und diese müsse nicht unbedingt mit einer, sondern könne auch mit drei Parteien gegeben sein. Mit Genugtuung quittierte Häupl das Abschneiden des Gegners FPÖ: "Haider ist im Wahlkampf massiv aufgetreten und hat dieses Ergebnis nun zu verantworten."

Der erste, der bei Häupls Angebot definitiv abwinkt, ist Bernhard Görg: "Ich kann mir nicht vorstellen mit einer Partei, die die absolute Mehrheit hat, in eine Koalition zu gehen." Er zeigt sich über das Ergebnis sehr enttäuscht. Zwar lag er als Einziger mit seiner Prognose "ein Zurück ins rote Wien wäre möglich" richtig: "Doch es ist genau eingetreten, war wir befürchtet haben. Das sind jene Prognosen, wo man lieber hätte, dass man nicht recht hätte." Noch heute will Görg im Parteivorstand die Neupositionierung der Wiener Volkspartei diskutieren. Sein Parteikollege Kulturstadtrat Peter Marboe, schließt hingegen eine weitere Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten nicht aus.

Jubelstimmung herrscht auch bei den Grünen, die bei dieser Wahl extrem gut abschnitten. "Das ist ein riesiger Erfolg für uns, wir haben soviel wie noch nie erreicht", kommentierte Klubobmann Christoph Chorherr. Besonders freute ihn die "deutliche Absage an die Politk der Freiheitlichen", die gedacht hätten, mit Antisemitismus und Fremdenfeindlichekeit punkten zu können. Wesentlich sei für ihn, welcher Konsens bei den drei grünen Schwerpunktthemen Ökologie, Bildung und Ausländerwahlrecht zu erzielen sei. Die Wahl sei, so Chorherr, aber auch ein deutliches Zeichen gegen die schwarz-blaue Bundesregierung.

Dies sieht die Spitzenkandidatin der FPÖ, Helene Partik-Pablé trotz schwerer Niederlage naturgemäß anders: "Die Regierung wird den notwendigen Konsolidierungskurs weiter fahren." Sie ist über das Ergebnis enttäucht, aber die Ausgangsbasis sei mit 18 Prozent noch schlechter gewesen. Insgesamt habe sie mehr Zustimmung erwartet. Scheinbar hätten die medialen Hetzkampagnen und die Aufforderungen der SP, der FP einen Denkzettel zu verpassen, gefruchtet. Trotz "Häupls Ausgrenzungskurs" hält sie eine Zusammenarbeit mit der Siegerpartei für möglich: "Denn die FPÖ ist immer an konstruktiven Gesprächen interessiert."

Schwer angeschlagen, doch mit erhobenem Haupt zeigte sich die Frontfrau des Liberalen Forums Alexander Bolena: "Wir haben unser Bestes gegeben, aber es gab auch Kräfte die gegen uns gearbeitet haben." Problematisch sieht sie das Gesamtergebnis: "Eine SP-Alleinregierung tut dieser Stadt sicher nicht gut."