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Rumba und Tango vor Einsatz

Von Hanns-Jochen Kaffsack

Wissen

Rumba und Tango warten auf ihren Einsatz. Mit dem Start dieser beiden europäischen Sonnen-Satelliten am Mittwoch vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan aus verwandelt sich das All in ein Tanzparkett. Denn Salsa und Samba sind bereits in Position gegangen. Wenn jetzt auch der Countdown von Rumba und Tango in der kasachischen Wüste problemlos verläuft, kann das "Cluster II" genannte Quartett in einer Woche mit seiner Arbeit beginnen.


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Genau aufeinander abgestimmt, fliegen die vier Satelliten dann in einer elliptischen Umlaufbahn in den interplanetaren Raum und durch das Magnetfeld des Planeten Erde.

Nach dem erfolgreichen Start von Salsa und Samba am 16. Juli fiel den Managern der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) in Paris ein erster Stein vom Herzen. Beim Jungfernstart der neuen europäischen Ariane 5-Trägerrakete im Juni 1996 waren nämlich vier Sonnen-Sonden dieses Typs in einer Explosionswolke zerborsten.

Das Vorhaben, so präzise wie bisher noch nie die Wechselwirkungen zwischen Sonne und Erde zu erforschen, war jedoch zu wichtig, um zu den Akten gelegt zu werden. Die nachgebauten "Cluster"-Sonden sollten es - jetzt im Duo und mit einer Sojus-Fregat-Trägerrakete gestartet - doch nochmal versuchen.

Salsa und Samba sind akkurat auf ihren vorgesehenen Bahnen positioniert. Die Nachzügler Rumba und Tango müssen bis zum 15. August ähnliche Flugmanöver meistern. Im Einsatz stehen die vier zylinderförmigen Sonden mit ihren jeweils elf identischen Messinstrumenten an Bord wie die Spitzen einer Pyramide zueinander.

Die 312 Mill. Euro (4,29 Mrd. Schilling) teure Mission dient der Erforschung des Weltraumwetters. Die Wissenschafter wollen wissen, ob die Sonne das Klima auf der Erde nachhaltig beeinflusst und wie genau sich Stürme elektrischer Teilchen im Sonnenwind auf das Erdmagnetfeld auswirken.

Acht weitere Planeten

Astronomen aus der Schweiz und den USA haben unterdessen am Montag die Entdeckung von acht Planeten außerhalb unseres Sonnensystems bekannt gegeben. Eine Gruppe von Forschern aus Genf teilte anlässlich der Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union (IAU) mit, sie hätten sechs neue Planeten entdeckt. Einer davon gehöre zu einem Sonnensystem mit mehr als einem Planeten, das erst zweite bekannte System dieser Art.

Kalifornische Astronomen gaben die Entdeckung von zwei weiteren Planeten bekannt. Damit steigt die Zahl der außerhalb des Sonnensystems der Erde nachgewiesenen Planeten auf etwa 50.

Der Nachweis der Planeten gelang den Wissenschaftlern durch die Messung von Helligkeitsschwankungen ihrer Sterne. Diese würden von der Masse ihrer Planeten beeinflusst. Durch dieses Verfahren können bisher nur vergleichsweise große Planeten nachgewiesen werden, nicht kleinere, die Ähnlichkeit mit der Erde hätten.

Der Genfer Gruppe gelang die Entdeckung des Planeten mit der bisher geringsten bekannten Masse außerhalb unseres Sonnensystems. Der nach seiner Sonne HD83443 als HD83443c klassifizierte Planet hat demnach die Hälfte der Masse des Saturns, dem zweitgrößten Planeten im Sonnensystem der Erde. HD83443 liegt im südlichen Sternbild Velo und ist etwa 141 Lichtjahre von der Erde entfernt.