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Rürup für Mischsystem bei der Harmonisierung

Von Brigitte Pechar

Politik

Die aktuelle Pensionsdiskussion ist dem deutschen Pensionsexperten Bert Rürup zu hektisch und von Hysterie geprägt. Er plädiert bei einer Harmonisierung der Pensionssysteme für ein Mischsystem aus Jahrgangsmodell (ÖVP) und Stichtagsregelung (FPÖ, ÖGB, SPÖ). Denn: "Auch Beamte verdienen einen Vertrauensschutz. Es soll ja auch welche geben, die nicht Sektionschef sind."


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Beide der jetzt diskutierten Pensionsmodelle seien "nicht ausgereift". Die Jahrgangsregelung (für alle unter 35-Jährigen) hat den Nachteil, dass man noch mehr als 30 Jahre lang Parallelrechnungen führen müsste. Die Harmonisierung sollte aber, so Rürup, spätestens 2020 abgeschlossen sein, denn "dann gehen die Babyboomer in Pension und die demographischen Herausforderungen werden virulent".

Die Stichtagsregelung hat für den Pensionsexperten zwar "theoretisch Charme", es gebe aber ein unterschiedliches Pensionsantrittsalter, die Beamten würden dann statt 12,55 nur 10,25 Prozent Beiträge zahlen und der Pensionssicherungsbeitrag der Beamtenpensionisten entfiele. Zusätzlich müssten Teile der Pensionsreform 2003 wieder zurückgenommen werden, was für Rürup undenkbar ist.

Er plädiert daher für ein Mischsystem: Die über 50- oder 55-Jährigen sollten im alten System bleiben - schon wegen des Vertrauensgrundsatzes -, den Jüngeren sollten die bisherigen Anwartschaften auf einem Pensionskonto gutgeschrieben werden und ein Wechsel ins ASVG erfolgen.

Bei der ganzen Debatte sei zu bedenken, dass es um eine gerechte Verteilung geht: "Wenn eine Gesellschaft altert, sind damit Kosten verbunden. Die kann man nicht wegreformieren." Und noch etwas ist dem Experten wichtig: "Nicht die höchste Pension, sondern die finanzierbare Pension ist die beste."

Grundsätzlich merkte Rürup an:

- Das staatliche Pensionssystem wird auch in Zukunft die wichtigste Einnahmequelle im Alter sein.

- Altersvorsorge hat nichts mit Vermögensbildung zwecks Vererbung zu tun, sondern soll das Risiko der Langlebigkeit absichern.

- Sichere Pensionen gibt es nicht - im Sinne eines langfristig garantierten Betrages. Die Politik sollte aber versuchen, Pensionen sicher zu machen.

Das österreichische System sei auch "außerordentlich umlagelastig", kritisierte Rürup. In diesem Sinn regte er an, das Verhältnis von Umlageverfahren und Kapitaldeckungsverfahren (90:10) langfristig zu ändern."