)
Inmitten des türkisblauen Wassers des indischen Ozeans, umgeben von Korallenriffen, liegt die Gewürzinsel Sansibar. Das ehemalige Sultanat hat aufgrund des Sklavenhandels eine traurige Vergangenheit. Heute leidet die Insel unter der rasch wachsenden Bevölkerung. Der daraus resultierende Druck auf den letzten Regenwald ist groß, Ökotourismus könnte dem entgegenwirken.
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 25 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Seit über 36 Jahren gehören die Inseln Ungunja (die Hauptinsel Sansibars) und Pemba zum Staat Tansania, ehemals Tanganjika. Auf der insgesamt 2.332 Quadratkilometer großen Fläche leben 723.000 InselbewohnerInnen, die meisten von ihnen sind moslemischen Glaubens. Zu den wichtigsten Deviseneinnahmequellen zählen der Tourismus, Gewürze - vorwiegend Nelken - sowie der Handel.
Mit seinem tropischen Klima und zwei Regenzeiten im Jahr ist die Insel äußerst fruchtbar. Im südöstlichen Teil Ungunjas liegt der 2.512 ha große "Jozani Forest". Er ist Teil des Jozani-Chwaka-Bay-Naturschutzgebietes, dass etwa ein Gebiet von 44 Quadratkilometern umfasst. In einer oft überschwemmten Senke wächst auf fossilen Korallen tropischer Regenwald, der zur Küste hin in Mangrovenwälder übergeht.
Etwa 100 verschiedene Baumarten wachsen hier, wie zum Beispiel Callophyllum inophyllum, eine Mahagoni-Art, von dessen Früchten Affen gerne naschen. In die Rindenritzen einiger Bäume legen Vögel manchmal Samen der Würgfeige (Ficus natalensis). Dieses lianenartige Gewächs kann dann bis zu 30 Meter hoch hinaufwachsen. Eine besondere Pflanze ist auch der Wilde Cardamon (Afromomum augustifolia). Aus der Kulturform dieser Pflanze wird ein Gewürz hergestellt, das Reisgerichte schmackhaft macht und gegen Seekrankheit wirkt. Die zahlreichen, zum Teil endemischen Fledermaus-, Vogel-, Schmetterling-, Reptilien- und Insektenarten, die hier leben, bereichern die biologische Vielfalt.
Der "Jozani"-Wald dient nicht nur als Wasserreservoir, sondern schützt den Boden und die Küste auch vor Erosion und ist deshalb unentbehrlich für das Leben der Inselbewohner. Außerdem nützt die lokale Bevölkerung die zahlreichen Pflanzen als eine Art Apotheke, von der Malariamedizin bis hin zu Potenzmitteln. Neben seiner biologischen Vielfalt ist der Wald vor allem durch die vom Aussterben bedrohten Roten Coolobus-Affen (Procolobus kirkii) bekannt. Die Hälfte dieser vierfingerigen Affenart ist hier zu Hause. Sie ziehen in Gruppen von etwa 10 bis 60 Tieren blätterfressend umher. Der Sansibar-Leopard hingegen ist möglicherweise nur eine Legende, die bis heute gerne den Touristen erzählt wird. Gesichtet wurde nie einer.
Ursprünglich wurde der Wald von den Menschen aus den umliegenden Gemeinden genutzt. In den 30er Jahren begannen indische Zuwanderer in größerem Ausmaß mit der Holzgewinnung, nachdem in der Region ein Sägewerk gebaut wurde. Die Regierung kaufte 1948 das Gebiet und forstete es bis in die 80er Jahre auf. Allmählich wurden mehr und mehr Flächen unter Schutz gestellt, bis 1965 das kommerzielle Schlägern ganz eingestellt wurde.
In den letzten 15 Jahren wurden zahlreiche Untersuchungen über den Wald durchgeführt und Strategien entwickelt, um die biologische Vielfalt auf der Insel zu erhalten. Es ist beabsichtigt, den "Jozani"-Wald zum Nationalpark zu erklären. Denn mit der ständig wachsenden Bevölkerung nimmt die Waldfläche auf der Insel dramatisch ab. Die Menschen in den umliegenden Gemeinden sind finanziell von der Ausbeutung natürlicher Ressourcen, vor allem für die Inselhauptstadt Stone Town, abhängig. Dort wird das Holz vor allem zum Heizen und Bauen benötigt. Ein Beispiel: Jeden Morgen backen 39 Bäcker auf Unguja 300.000 Laib Brot, dafür alleine werden 30 bis 45 Tonnen Brennholz benötigt.
Partizipation
Seit 1995 arbeiten die Menschen, die um das Schutzgebiet leben, gemeinsam mit dem dortigen Landwirtschaftsministerium, Livestock & Natural Resources Sansibar, CARE Österreich sowie anderen internationalen Organisationen daran, die Lebenssituation zu verbessern und den Wald zu schützen.
In Zusammenarbeit mit diesen Organisationen wurde in Workshops versucht, die Hintergründe des Naturschutzes zu vermitteln. Exkursionen in andere Teile Sansibars sollten verdeutlichen, wie sich Raubbau auf die Umwelt und das Leben der betroffenen Menschen auswirkt. Nach Verhandlungen konnten die Grenzen des "Jozani"-Schutzgebietes neu festgelegt und dadurch die Akzeptanz erhöht werden. Darüber hinaus wurde ein Zonen-Management-Plan ausgearbeitet: Die WaldhüterInnen und die Bevölkerung sollen klare Leitlinien erhalten, wie und wo der Wald nachhaltig genutzt werden kann.
Neue Einnahmequellen
Der Ökotourismus hat sich zu einer wichtigen Einnahmequelle entwickelt. Umgerechnet 120 Schilling pro Person kostet eine Führung mit einem Waldhüter durch den tropischen Regenwald. Mit etwas Glück können dabei die Roten Coolobus-Affen beobachtet werden. Im Waldinformationszentrum am Eingang des Parks verkaufen Frauen Souvenirs, Getränke und Kuchen. Derzeit erhalten die umliegenden Gemeinden etwa ein Drittel der Einnahmen, der Rest geht an die staatliche Verwaltung. Die Gemeinden können entscheiden, ob sie das Geld für die Ausstattung der Schulen, der Gesundheitszentren oder für die Reparatur von Straßen und Brunnen einsetzen.
Die Wunschliste scheint jedoch lang zu sein, es werden daher von einigen zwei Drittel der Tourismuseinnahmen gefordert. Zusammen mit den betroffenen Menschen hat CARE weitere Einkommensmöglichkeiten erschlossen, die den Ertragsdruck vom Wald nehmen soll: So wird Kleinstgewerbebetriebe gefördert, aber auch Ausbildungsprogramme werden angeboten, die auf ein profitables Management der Waldressourcen in den Pufferzonen rund um das Schutzgebiet abzielen.
CARE Österreich ist Mitglied und selbständiger Partner von CARE International. Seine Schwerpunkte sind Katastrophenhilfe, humanitäre und strukturelle Hilfe in den GUS-Staaten, in Südosteuropa und im ehemaligen Jugoslawien. In der Entwicklungszusammenarbeit ist CARE vorwiegend in Afrika südlich der Sahara tätig. Die Organisation konzipiert, führt und fördert langfristige Projekte in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Kleingewerbe. Die Organisation finanziert sich über Privatspenden, Mitgliedsbeiträge, Benefizaktionen und öffentliche Mittel, die zum Teil vom Bundesministerium für Auswärtige Angelegenheiten kommen.
)
)
)
)