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Sarkozy macht sich in Libyen-Frage zum Krisengewinnler - vorläufig

Von Georg Friesenbichler

Analysen

Nicht nur wegen seiner geringen Körpergröße wurde er schon bisher bisweilen mit Napoleon verglichen. Auch seine Großmannssucht in politischen Belangen macht Nicolas Sarkozy mit dem Korsen vergleichbar. Den derzeitigen Vorsitz Frankreichs von G8 und G20, den Gremien der wirtschaftlich starken Nationen dieser Welt, will er nutzen, um sich als Vorreiter in Wirtschaftsfragen zu profilieren. Er will einfach schnell das Weltwährungssystem reformieren, die Spekulation an den Rohstoffmärkten zurückdrängen und eine Finanztransaktionssteuer einführen.


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Unverhofft wandelt er nun auch militärisch auf des Kaisers Spuren. Noch während man am Samstag in Paris zur Libyen-Frage tagte, hatte er seine Kampfflugzeuge in das arabische Land geschickt. Bereits zuvor war Sarkozy zum Missvergnügen mancher Staaten vorgeprescht, indem er die libyschen Aufständischen als legitime Vertreter ihres Landes anerkannte.

Dieser Eifer ist indes allein mit dem Willen Sarkozys, sich und seine "Grand nation" als Führungskraft in der Welt darzustellen, nicht zu erklären, ebenso wenig mit angeblichen Einflüsterungen des französischen Star-Intellektuellen Bernard-Henri Levy, der ihn zu dieser neuen Linie gedrängt haben will. Vielmehr muss der Präsident sein eigenes Volk auch einiges vergessen machen. So hat er seinen heutigen Erzfeind Muammar Gaddafi im Jahr 2007 noch überaus freundlich in Paris empfangen und hat mit ihm ein Abkommen über den Bau eines Atomkraftwerks geschlossen - besonders pikant angesichts des gegenwärtigen Zusammentreffens der Libyen-Krise mit dem GAU in Japan.

Und zuletzt hat gerade die enge Verbindung von Regierungsmitgliedern zu Diktatoren wie Tunesiens Ben Ali und Ägyptens Mubarak die Beliebtheitswerte von Sarkozy, die nach den Protesten gegen die Pensionsreform ohnehin tief lagen, weiter in den Keller sinken lassen. Eine Umfrage sah ihn sogar schon hinter der Chefin der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, zurück.

Bei den Kantonalwahlen am Sonntag landete Sarkozys Regierungspartei UMP nur knapp vor der Front National. Da war Sarkozys - auch von der Opposition gelobter - jüngster Vorstoß wohl noch zu frisch, um ihn bei den Wählern punkten zu lassen. Aber im Blick hat er ohnehin das Rennen um die Präsidentschaft in einem Jahr, bei denen Sarkozy den "Macher"-Bonus, den ihm die USA nun überlassen haben, nutzen will.

Es ist freilich ein höchst riskantes Spiel, das Sarkozy da treibt. Die Einbindung der Araber in die Anti-Gaddafi-Front, die ihm ein Anliegen war, steht auf fragilen Beinen. Nato und EU sind arg zerstritten, was die Erfolgsaussichten des Einsatzes betrifft, und auch viele Militärexperten sehen eine Eskalation des Konflikts heraufdräuen. Am Ende könnten sich die Bedenken der Deutschen, über die jetzt vielfach gespottet wird, als berechtigt erweisen.