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Saudi-Arabien lenkt im Ölpoker ein

Von Arian Faal

Wirtschaft

Erstmals seit 2008 beschließt die Opec eine Drosselung der täglichen Fördermenge von 33,6 auf 32,5 Millionen Fass.


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Wien. Knalleffekt bei der gestrigen Tagung der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) in Wien: Wider Erwarten konnten sich die seit Monaten zerstrittenen 14 Mitglieder am späten Mittwochnachmittag auf eine erstmalige Drosselung der Fördermenge seit 2008 einigen. Künftig will das Ölkartell statt wie bisher 33,6 täglich nur noch 32,5 Millionen Fass fördern. Damit wurde die Grundsatzvereinbarung vom September ratifiziert.

Der Iran bekommtZugeständnisse

Zustande kam die "Einigung in letzter Minute" nur deshalb, weil der Opec-Keyplayer Saudi-Arabien eingelenkt und seinem Erzrivalen Iran Kompromisse zugestanden hatte. Um "den Markt zu stabilisieren", sei das Königreich zu einer großen Kürzung bereit, hieß es aus der saudischen Delegation. Dem Iran soll parallel zur Förderdrosselung eine Rückkehr auf den Ölmarkt zugestanden werden. Der saudi-arabische Energieminister Chalid al-Falih deutete die Bereitschaft an, den Persern entgegenzukommen. Es sei akzeptabel, wenn das Land seine Produktion auf Vorsanktionsniveau einfriere. Beide Länder ringen um die Vorherrschaft am Persischen Golf und in der muslimischen Welt. Zudem unterhalten sie seit Jänner wegen der Exekution eines hochrangigen schiitischen Klerikers in Saudi-Arabien und des darauffolgenden Sturms iranischer Hardliner auf die saudische Botschaft in Teheran keine diplomatischen Beziehungen. Dementsprechend euphorisch und erleichtert über den Kompromiss klangen die Statements der anderen Opec-Staaten am Mittwoch. Der Iran und der Irak sandten versöhnliche Signale und sprachen von einer "guten Lösung für alle". Der Iran drängt nämlich nach dem Ende der nuklearbezogenen Sanktionen im Jänner 2016 auf ein rasches Comeback auf das internationale Öl-Parkett und will seine Förderung und seinen Absatz auf das Niveau vor 2012 bringen.

Ölpreis kletterte aufmehr als 50 Dollar

Der Irak wiederum braucht für seine Wirtschaft dingend Einnahmen aus dem Ölsektor. Eigentlich stemmte sich die Führung in Bagdad gegen eine Drosselung, da sie immer wieder unterstreicht, dass die Einnahmen aus dem Ölgeschäft nötig seien, um den Kampf gegen die Islamisten-Miliz IS zu finanzieren. Die Einigung trieb den Ölpreis am Mittwoch sofort in die Höhe. Die führende Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich zunächst um acht Prozent auf rund 50 Dollar (47,3 Euro) je Fass. Nun hofft die Opec, dass sich auch wichtige Nicht-Mitglieder wie Russland an der Förderbremse beteiligen und die Produktion um insgesamt 600.000 Barrel reduzieren. Die Opec-Länder stehen für rund ein Drittel der weltweiten Ölförderung. Da sich der Ölpreis seit Mitte 2014 in etwa halbiert hat, haben Mitglieder wie Venezuela, der Iran, der Irak und auch Saudi-Arabien selbst mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Wenn die "Rohöl-Schwemme" nun eingedämmt wird, erhoffen sich die Opec-Staaten eine Preisstabilisierung und mittelfristig dann wieder höhere Einnahmen.

Russland begrüßtEinigung

Der niedrige Ölpreis durch die globale Schwemme des "schwarzen Goldes" - zur Freude von Autofahrern sowie Heizöl- und Industriekunden - damit scheint es nun vorerst vorbei.

Auch der russische Energie-Minister Alexander Nowak begrüßte die Einigung. Er gehe davon aus, dass andere Länder, die wie sein Land nicht in der Opec seien, dem Beispiel folgen würden. In den vergangenen Monaten hatte Russland seine Fördermenge noch auf ein Rekordhoch getrieben. Für den 9. Dezember ist ein Treffen der Nicht-OPEC-Länder mit dem Kartell angesetzt. Die OPEC hat an die Ölländer außerhalb ihrer Organisation appelliert, sich an der Kappung zu beteiligen.

Nach Angaben der OPEC-Präsidentschaft Katar haben Nicht-OPEC-Länder bisher eine Kappung um 600.000 Barrel zugesagt, darunter Russland mit 300.000. Mit den 1,2 Millionen Barrel der Opec-Länder würde das auf eine Reduzierung der Förderung um rund 1,8 Millionen Barrel pro Tag hinauslaufen, was knapp zwei Prozent der weltweiten Fördermenge entspricht.

(af) 1973: Weil Israel während des Jom-Kippur-Krieges mehrere arabische Gebiete besetzt, reagiert die Opec mit einer Drosselung. Der Ölpreis steigt drastisch, dies führt zu einer Energiekrise. Der bis dahin jahrelang konstant gehaltene Ölpreis klettert in wenigen Jahren und in großen Sprüngen von etwa drei auf mehr als zehn Dollar pro Barrel.

1979/80: Im Iran wird der Schah Reza Pahlavi gestürzt und die Monarchie wird unter dem Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini in eine Islamische Republik umgewandelt. Die Ölproduktion des Landes bricht ein. Der Weltmarkt reagiert und der Ölpreis klettert in Richtung 20-Dollar-Marke.

1990/91: Nachdem der Irak in Kuwait einmarschiert, schreiten die USA im Irak ein. Da Kuwait nach Saudi-Arabien, Irak und Iran die größten Reserven hat, kommt es abermals zu einer Preisexplosion. Der Ölpreis überspringt die Marke von 40 Dollar.

2003: Nach dem Sturz von Saddam Hussein ist die irakische Ölindustrie grundlegend zerstört. Der Ölpreis liegt im Bereich von 35 Dollar.

2008: Die außerordentlich gute Konjunkturlage und Spekulation treiben den Ölpreis auf ein Hoch bis in den Bereich von 150 Dollar.

2011: Im Zuge des "Arabischen Frühlings" brechen fast in der gesamten arabischen Welt Unruhen aus. Versorgungsengpässe werden befürchtet. Von Januar bis zum März steigt der Ölpreis von 92 auf zeitweise 116 Dollar.

2012: Ende Juni 2012 sinkt der Brent Rohölpreis unter 90 Dollar pro Barrel und der WTI-Ölpreis unter 80 Dollar. Ab der Jahresmitte erholen sich die Preise wieder, da erwartet wird, dass die USA, Europa und China Maßnahmen ergreifen, um das Wirtschaftswachstum zu stimulieren.

2014: Weniger Nachfrage, steigende US-Produktion durch die Fracking-Technologie und die Opec, die das Produktionsniveau aufrechterhalten will, sorgen in der zweiten Jahreshälfte für einen Rückgang der Rohölpreise um 50 Prozent.

2015: Niedrige Rohölpreise spiegeln das im Vergleich zur Nachfrage anhaltend große Angebot an Rohöl wider. Zu Jahresende liegen die Preise bei 40 Dollar pro Barrel, was den tiefsten Wert seit 2009 bedeutet.

März 2016: Panik bricht aus, als die Rohölpreise am 11. Februar auf ein 13-Jahrestief von 26,05 Dollar pro Barrel fallen. Doch schon in den darauffolgenden Tagen klettern die Preise zurück auf 34,40 Dollar.

30. November 2016: Erstmals seit 2008 wird eine Drosselung der Fördermenge von 33,6 auf 32,5 Millionen Fass täglich beschlossen.

Auf und Ab beim Ölpreis