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Brandgefährliche Entwicklung: Riad geht immer offensiver gegen den Konkurrenten in Teheran vor.
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Bagdad/Riad/Teheran. Vor kurzem am Flughafen von Doha, der Hauptstadt von Katar. Um den riesigen, gelben Plüschbären, der dort steht, schiebt sich jede Menge Passagiere, die hektisch nach ihren Transfers suchen. Die einen fliegen weiter nach Fernost, andere nach Australien, Neuseeland und in die USA. Wieder andere sind auf dem Weg in die Nachbarregionen im Nahen und Mittleren Osten. Man sieht Inder, Chinesen, Thais und vor allem Europäer, die der Sonne entgegen fliegen.
Was man nicht sieht, sind Araber in ihren langen weißen Gewändern mit einem Tuch um den Kopf. Früher dominierten sie das Bild in einem der größten Umsteigeflughäfen der Region, heute sind sie eine Rarität. Seitdem der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, sich vorsichtig dem Nachbarn Iran annähern wollte, hat Saudi-Arabien eine Blockade über das kleine Golfemirat verhängt, Flüge von und nach Doha eingestellt, die einzige Landverbindung der Halbinsel geschlossen. Fliegen die Maschinen der staatlichen Fluggesellschaft nach Europa, so müssen sie einen Umweg über Iran nehmen. Saudi-Arabien hat die Überflugrechte für Qatar Airways ebenfalls gestoppt.
Blockade und Rücktritt
Gut fünf Monate dauert diese Blockade nun schon an, und ein Ende ist nicht abzusehen. Offiziell werfen Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und Bahrain dem Emirat Katar vor, Extremismus zu unterstützen. Doch was tatsächlich dahinter steckt, wird erst jetzt so richtig deutlich: Saudi-Arabien sagt Iran und allen, die mit dem Ajatollah-Staat in Verbindung stehen und treten, den Kampf an.
Befeuert durch den überraschenden Rücktritt des libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri, wirft der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman jetzt dem Erzrivalen Iran auch eine "direkte militärische Aggression" gegen sein Land vor. Das "iranische Regime" beliefere die Huthi-Rebellen im Jemen mit Raketen, sagte Kronprinz Mohammed in einem Telefongespräch mit dem britischen Außenminister Boris Johnson, wie die saudische Nachrichtenagentur SPA am Dienstag meldete. "Das könnte einem Kriegsakt gegen das Königreich gleichkommen."
Die saudische Luftwaffe hatte am Wochenende nach eigenen Angaben eine Rakete nahe der Hauptstadt Riad abgefangen. Das Geschoss soll aus dem benachbarten Bürgerkriegsland Jemen abgefeuert worden sein. Die schiitischen Huthi-Rebellen, die weite Teile im Norden des Jemen kontrollieren, bestätigten den Abschuss einer ballistischen Rakete auf den internationalen Flughafen Riad.
Im Libanon wiederum soll die schiitische Hisbollah ihren Einfluss mit Hilfe des Iran ausweiten, Unruhe schüren und den sunnitischen Premier um sein Leben bangen lassen. Das verkündet Hariri in Riad und weigert sich, in sein Heimatland zurückzukehren. Inzwischen ist er in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Abu Dhabi, ausgereist.
Mit dem Libanon und dem Jemen sind die zwei Außenspitzen des sogenannten schiitischen Halbmondes benannt, der wie ein Damoklesschwert über Saudi-Arabien zu hängen scheint. Denn wenn auch Kronprinz bin Salman Reformen im Inneren des Landes vorantreibt, außenpolitisch ist er ein Hardliner. Seit über zwei Jahren bombardiert die saudische Luftwaffe auf sein Betreiben den Jemen, treibt tausende von Menschen in den Tod. Riads Offensive schafft im Jemen, wo mittlerweile die Cholera ausgebrochen ist, Armut und Leid, aber nichts, was das Land befrieden könnte.
Im Libanon musste Riad seit dem Tod von Rafiq Hariri 2005, Vater des jetzigen Premiers, zusehen, wie das kleine Land immer weiter in die Hände der Hisbollah rutschte. Seit diese an der Seite Irans im syrischen Bürgerkrieg zusammen mit den Regierungstruppen von Bashar al-Assad an Boden gewinnt, sieht Saudi-Arabien seine Felle davonschwimmen.
Im Irak, dem nach dem Iran selbst stärksten Kernland der schiitischen Hemisphäre, hat Saudi-Arabien die Einflussnahme der Ajatollahs weitgehend verschlafen. Zwar hat der wahhabitisch geprägte Golfstaat von Anfang an die extremistisch sunnitischen Gruppen unterstützt, die auch gegen die Besatzungsmacht USA Terroranschläge verübten, doch politisch und wirtschaftlich überließ die Königsfamilie das Feld weitgehend dem Iran.
Schon zuvor gab es jahrzehntelang eine Eiszeit zwischen Saudi-Arabien und dem Irak. Die beiden Länder hatten sich im Zuge der irakischen Invasion in Kuwait im Jahr 1990 überworfen. Erst im Dezember 2015 eröffnete Saudi-Arabien wieder seine Botschaft in Bagdad, nachdem es dort 25 Jahre lang keine eigene diplomatische Vertretung unterhalten hatte. Im Februar dann begann eine Tauwetterperiode. Erstmals seit 14 Jahren reiste ein saudi-arabischer Außenminister in den Irak. Der dortige Ministerpräsident Haider al-Abadi, der seit 2014 an der Spitze der irakischen Regierung steht, will die jahrelang angespannten Beziehungen zu Saudi-Arabien verbessern, auch um den allumfassenden Einfluss Irans zu begrenzen.
Trump applaudiert
US-Präsident Donald Trump applaudiert den Saudis für ihr Vorgehen. Er habe "großes Vertrauen" in König Salman und Kronprinz Mohammed, schreibt Trump auf Twitter. Dabei dürfte er nicht nur die Verhaftung zahlreicher Mitglieder der Königsfamilie wegen Korruption gemeint haben, sondern auch die außenpolitischen Schritte Riads. Seit dem Amtsantritt Trumps vor genau einem Jahr ist auch im Irak zu beobachten, dass der Neue im Weißen Haus eine neue Iran-Politik verfolgt. Überall im Land tauchen Berater des US-Präsidenten auf, die bei der Bevölkerung ausloten sollen, wie weit der Einfluss Irans reicht und wie fest sie an der Seite Teherans steht. Selbst im schiitisch geprägten Basra, im Süden des Landes, das schlechthin als Provinz Teherans zählt, suchte ein angeblich für Bildung zuständiger Amerikaner die Abgeordneten des Provinzrates auf, um sie nach der Stimmung bezüglich Irans und Amerikas auszufragen. Was würde geschehen, wenn der Iran aus dem Irak verschwände, war die Frage. Die Abgeordneten waren sprachlos.
Das gemeinsame Säbelrasseln bei Trumps Besuch in Riad zeigt nun Wirkung: Saudi-Arabien trumpft auf.

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