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Ein auf den ersten Blick ungewöhnliches Gespann: Die Vereinigung österreichischer Rübenbauernorganisationen und die Nichtregierungsorganisation Fairtrade machten sich gestern in einer Pressekonferenz gegen die geplante Liberalisierung des EU-Zuckermarktes stark. Die derzeitige Zuckermarktordnung mit Garantiepreisen, verbrauchsorientierten Produktionsquoten und Exportzuschüssen ist bis 30. Juni 2006 gültig.
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Die einen wollen die heimischen Rübenbauern, die anderen die Kleinbauern im "Süden" schützen. Beide gemeinsam sprechen sich für faire Wettbewerbsbedingungen aus - wobei es auch "interdisziplinäre Ansätze" gibt: So sagte etwa Hermann Schultes, Präsident der Rübenbauern: "Wir wollen nicht, dass es beim Zucker soweit kommt, wie es beim Kaffee der Fall ist: Fünf, sechs Konzerne dominieren den Markt." Profiteure einer "ungebremsten" Marktöffnung würden ausschließlich die Zuckerbarone in einigen Ländern, wo die Produktion unter Missachtung aller Umweltregeln und durch Ausbeutung von Landarbeitern betrieben würde, sein. Rainer Stoiber, Pressesprecher von Fairtrade sagt gegenüber der "Wiener Zeitung": "Vom Sinken des Weltmarktpreises in Folge von Handelsliberalisierung werden global agierende Konzerne profitieren, die große Mengen an billig produziertem Zucker am Weltmarkt anbieten können." Auch wenn man sich staatlicherseits über erhöhte Exportvolumina freuen würde - Plantagenarbeiter und Kleinbauern würden davon nicht profitieren.
Ralf Peters von der Welthandels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) und UN-Beobachter der WTO-(Welthandelsorganisation)-Verhandlungen beurteilt eine Handelsliberalisierung positiv: "Da Zucker zu den am stärksten geschützten Märkten der Welt zählt, werden Entwicklungsländer von einer Marktöffnung profitieren. Statt arbeitslos zu sein, ist es besser, auf einer Zuckerfarm zu arbeiten, auch wenn die Arbeit dort mit europäischen Vorstellungen von sozial- und umweltrechtlichen Normen nicht ganz vereinbar ist." Bindende Standards würden Kosten vergrößern und Wettbewerbsvorteile verkleinern.
Die heimischen Zuckerrübenbauern treten jedenfalls für die Beibehaltung von Quoten und einem "lohnenden Erzeugerpreis" ein. Andernfalls wären sie nicht mehr wettbewerbsfähig. Schultes: "Ich erwarte mir noch in der Amtszeit von EU-Agrarkommissar Fischler einen diesbezüglichen Vorschlag. Mit Verhandlungen rechne ich in diesem Zeitraum aber nicht."
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