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Schachmatt im russischen Roulette

Von Christina Böck

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Die Älteren werden sich noch erinnern: an die Weihnachtsmehrteiler, mit denen das Fernsehen seine Zuseher früher beschenkt hat. Die hießen "Der große Bellheim" oder "Der König von St. Pauli", und meistens hat die gesamte deutschsprachige Schauspielprominenz mitgespielt. Zumindest Mario Adorf. Diese Tradition gibt es in dieser Form beziehungsweise in dieser Qualität schon länger nicht mehr. Der ORF startete am Montag mit dem Zweiteiler "Russisch Roulette" das, was man heutzutage offenbar in öffentlich-rechtlichen Fernsehspielredaktionen darunter versteht.

In der Miniserie geht es um eine ehemalige deutsche Journalistin, die mit ihrem kleinen Sohn nach St. Petersburg fährt, um ihm die Heimat seines - selbstverständlich unter mysteriösen Umständen - verstorbenen Vaters zu zeigen. Dabei kommt der Sohn abhanden. Und eine fröhliche Klischeekaskade kann ihren Lauf nehmen. Da gibt es den russisch-deutschen Chefredakteur mit der Dr.-Schiwago-Kappe, der sagt: "Er kann sein russisches Blut nicht verleugnen." Da gibt es die strenge Polizistin, die direkt aus dem Indiana-Jones-KGB stammen könnte. Da gibt es einen Juden, der wenig, aber dann "Nebbich" und "Schlamassel" sagt. Dazwischen taumelt Mittelklasse-Schauspielerin Katharina Böhm mit dem "Hach, mein Kind ist halt verschwunden"-Gesichtsausdruck. Und übrigens: In St. Petersburg spielen alle überall natürlich Schach. Klares Schachmatt für den Weihnachtsmehrteiler. Und einige ermattete Zuseher.