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Schade für Eberau

Von Reinhard Göweil

Leitartikel

Wären der Aufschrei im Burgenland und die mediale Aufmerksamkeit genauso groß gewesen, wenn in Eberau ein Gefängnis errichtet werden sollte? Wohl kaum. Asylwerber sind aber keine Kriminellen, sondern flüchteten vor Zuständen, die sich die meisten in Österreich nicht vorstellen können (und auch nicht sollen).


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Dass die Landesregierung in Eisenstadt das gesamte verwaltungstechnische Arsenal auspackte, um den Baubescheid für eine Asyl-Erstaufnahmestelle zu kippen, muss also andere Gründe haben. Dass sich der Landeshauptmann (SPÖ) und sein Stellvertreter (ÖVP) gegenseitig übertrumpfen, wer als Erster den Bürgermeister von Eberau stoppt, hat niedere politische Gründe.

Das Burgenland wählt Anfang Mai, und das Auffanglager wäre für die Freiheitlichen ein tolles Thema gewesen, gegen alles zu wettern, was irgendwie "ausländisch" ist. Und Sozialdemokraten und Christlich-Soziale im Burgenland haben Angst, Stimmen an die FPÖ zu verlieren.

Angst ist aber ein schlechter Ratgeber, so auch hier. Das Burgenland ist ein buntes Land, Ressentiments gegen Ausländer und Minderheiten sind dort weniger stark ausgeprägt als im Westen Österreichs. Mehrsprachigkeit ist in burgenländischen Schulen nichts Außergewöhnliches. Und für den verschlafenen Weinort Eberau an der Grenze zu Ungarn wäre die Aufnahmestelle für Asylwerber auch eine wirtschaftliche Chance.

Der Standort, das Umfeld: Alles hätte gepasst. Innenministerin Fekter hat alles richtig gemacht bei der Auswahl. Dann hat sie sich aber auf den Bürgermeister als Baubehörde verlassen, anstatt die Landesregierung in Eisenstadt frühzeitig einzubinden. Ein schwerer politischer Fehler.

Irgendwo in Österreich wird es diese zusätzliche Aufnahmestelle für Asylwerber geben. Es wäre großartig gewesen, wenn sich Innenministerin und Landeshauptmann gemeinsam hingestellt hätten, um Eberau als Standort zu verkünden, und die kulturelle und wirtschaftliche Chance für die Region herauszustreichen.

Nun geht alles den politischen Trampelpfad. Die Politiker in Eisenstadt übersehen aber, dass genau dieses Schablonen-Verhalten die Leute von den "staatstragenden" Parteien wegtreibt.