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Schaeffler ist bei Conti am Ziel

Von Hermann Sileitsch

Wirtschaft

Schaeffler muss sich vier Jahre mit Minderheit begnügen. | Continental-Chef Manfred Wennemer nimmt den Hut. | Hannover/Wien. Die Übernahmeschlacht ist beendet, Elisabeth-Maria Schaeffler (66) ist am Ziel: Die in Wien aufgewachsene Eigentümerin des bayrischen Familienunternehmens Schaeffler (und Aufsichtsrätin der Staatsholding ÖIAG) erhält Grünes Licht für den Einstieg beim mehr als doppelt so großen, börsenotierten Autozulieferer Continental.


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Gefinkelte Finanzdeals

Über Wochen hatte es ausgesehen, als wäre eine feindliche Übernahme unumgänglich: Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer (60) hatte die Schaeffler-Avancen als "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos" zurückgewiesen. Verhindern konnte er den Einstieg nicht: Wennemer tritt deshalb per 31. August zurück.

In Wirtschaftskreisen sorgt Elisabeth-Maria Schaefflers Coup für Staunen: Nicht nur hatte das Herzogenauracher Unternehmen laut Bankenkreisen 16,1 Mrd. Euro aufgetrieben, um die Übernahme des Konkurrenten zu finanzieren. Über sogenannte "Swap-Geschäfte" hatte sich die Wienerin zudem schon im März Zugriff auf bis zu 36 Prozent an Continental gesichert. Deutschlands Finanzaufsicht BaFin prüfte die Finanzgeschäfte, konnte aber keine Verletzung börslicher Meldepflichten erkennen.

Die friedliche Einigung ist freilich teuer erkauft: Schaeffler musste den Angebotspreis von zuletzt 70,12 auf 75 Euro je Continental-Aktie anheben. Das entspricht einer Prämie von 39 Prozent gegenüber dem Börsenkurs vor der Übernahme.

Zudem stimmten die Franken zahlreichen Auflagen zu: Schaeffler beschränkt sich während der nächsten vier Jahre auf 49,99 Prozent der Anteile und zahlt als Ausgleich für Steuer- und Finanzierungsnachteile bis zu 522 Mio. Euro. Weiters darf formell praktisch kein Einfluss auf Conti genommen werden: Laut Vereinbarung muss der Investor die Continental-Strategie inklusive Markt- und Markenauftritt unterstützen und darf keine Verkäufe verlangen. Auch Unternehmensform, Firmensitz, Geschäftsbereiche, Börsenotierung und Arbeitnehmerrechte seien dem Zugriff entzogen. Die Einhaltung soll der deutsche Ex-Kanzler Gerhard Schröder als "Aufpasser" garantieren.

Der Kleinere ist am Zug

Das Traditionsunternehmen Continental - Sitz ist Hannover - zählt mit geplanten 26,4 Mrd. Euro Umsatz im laufenden Jahr und 150.000 Mitarbeitern zu den größten Autozulieferern. Conti-Chef Manfred Wennemer (Spitzname "Reifen-Rambo") hatte in den letzten Jahren selbst mit spektakulären Übernahmen für Schlagzeilen gesorgt: So wurde im Sommer 2007 die Autoelektroniksparte Siemens VDO um rund 11,4 Mrd. Euro gekauft.

Der seither stark gesunkene Aktienkurs machte Conti jedoch selbst zu einem Übernahmekandidaten. So konnte der Wälzlagerspezialist Schaeffler (66.000 Mitarbeiter, 8,9 Mrd. Euro) beim deutlich größeren Konkurrenten zum Zug kommen.