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Als Deutschland noch nicht zusammen war, strebten manche Gruppierungen in andere Richtungen. Oskar Lafontaine gehörte zu den führenden Unruhegeistern - damals in der SPD.
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Die Landtagswahlen vom Sonntag spitzen das Problem der "Linken" in der Bundesrepublik Deutschland erheblich zu. Gerade jetzt, da mit Deutschland auch Europa des Wendejahres 1989 intensiv gedenkt, tauchen bei den Wahlgängen im Saarland und in Thüringen Fädenzieher auf, die seit damals eigentlich gut bekannt sein müssten: Es ist die "Linke", personell gespeist aus abgebröckelten Teilen des linken SPD-Flügels und Kommunisten der einstigen DDR. Nach Lage der Dinge wird die SPD wohl mehr als bloß gedanklich damit spielen, regierungsfähige Mehrheiten mit den Linken und notfalls den Grünen herzustellen. Der Schiffbruch ihrer hessischen Pionierin Andrea Ypsilanti im Vorjahr ist offenbar zu wenig Warnung gewesen.
Was verbindet 1989 mit dem Heute? Die führende Figur, die in Westdeutschland das Linkstempo vorgab, war schon damals Saarlands Ministerpräsident Oskar Lafontaine - Spitzenkandidat der SPD für die Bundestagswahl von 1990. Während Bundeskanzler Helmut Kohl unmittelbar nach dem Fall der Berliner Mauer die deutsche Vereinigung vorantrieb und zum grandiosen Erfolg führte, mauerte Lafontaine dagegen, wo es nur ging. Er verlangte einen "Verfassungsrat" zur Ausarbeitung einer neuen deutschen Verfassung samt Volksabstimmung, hielt die Mitgliedschaft Gesamtdeutschlands in der Nato für denkunmöglich und träumte von einem "kollektiven" europäischen Sicherheitssystem. Kohl betreibe lediglich "Täuschungs- und Überrumpelungsmanöver". Mit Lafontaine als Kanzler wäre Deutschland bis heute nicht vereint.
Bundeskanzler Kohl, der nach dem Fall der Mauer vor dem Berliner Rathaus durch den Berliner Mob niedergebrüllt und mit Trillerpfeifen am Reden gehindert wurde, rechnet in seinen "Erinnerungen" mit einer SPD ab, die die Position der deutschen Einheit viel zu früh aufgeweicht habe: "Bei den unzähligen Gesprächen und Verhandlungen führender SPD-Politiker mit der SED-Führung hätten sie weniger gemeinsame ideologische Erklärungen und Vertragsentwürfe über fragwürdige Zonenkonzepte erarbeiten sollen, deren Wert sich 1989 als völlig nichtig erwies."
Eigentlich nimmt er nur Willy Brandt davon aus, denn dieser hatte nach dem Zusammenbruch des SED-Regimes, zum Unterschied etwa von Berlins Regierendem Bürgermeister Walter Momper, weise Worte gefunden: "Wir sind jetzt in der Situation, wo zusammenwächst, was zusammengehört."
Nun ist die SPD im März 1990 bei den ersten freien Wahlen in der DDR sowieso grandios gescheitert, und Lafontaine im Dezember desselben Jahres bei der Bundestagswahl untergegangen. Inzwischen aber kämpft Lafontaine von außerhalb der SPD und gegen dieselbe für seine machtpolitischen Ziele.
Und so wie es aussieht, könnte der SPD zum zweiten Mal passieren, was ihr der FDP-Politiker Otto Lambsdorff bereits 1990 vorgeworfen hatte: dass sie sich von Lafontaine vor- und verführen lässt. Der jetzige SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, der eher wie ein Blasebalg denn ein Staatsmann wirkt, sieht nicht so aus, als sei er der Fels in der Brandung.
Sofern die Meinungsumfragen stimmen, halten sich die um Stabilität bemühten Deutschen freilich viel eher an die Bundeskanzlerin Angela Merkel, auch wenn diese die schweren Scharten des CDU-Misserfolges vom Sonntag noch auswetzen muss. Die Pastorstochter kommt übrigens so wie viele "Linke" ebenfalls aus der einstigen DDR, womit das ideologische Gleichgewicht doch nicht ganz dem jeweiligen SPD-Kurs anheim gegeben wäre.
Siehe auch:Urnen zu - alles offen
+++ Ein Dämpfer für Merkels schwarz-gelbe Träume

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