PodcastRebellen töten bis zu 22 Leibgardisten. | Analyst: "Putin ist eine Geisel Kadyrows." | Grosny/Wien. Es war ein Angriff auf das Machtzentrum von Ramsan Kadyrow. Mehreren Dutzend tschetschenischen Rebellen gelang es, das Heimatdorf Zenteroi zu stürmen, wo der Präsident der russischen Teilrepublik seine Privatresidenz hat.
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Nur 150 Meter von seinem Anwesen entfernt kam es zu heftigen Gefechten zwischen den Aufständischen und Mitgliedern von Kadyrows gefürchteter Leibgarde. Je nach Quelle starben zwischen sieben und 22 Kadyrow-Leute und zwei bis 12 Aufständische. Unter den Opfern sollen auch fünf wichtige Kommandanten gewesen sein. Auch die Zahl der an der Aktion beteiligten Kämpfer variierte, es dürften aber mindestens 30 gewesen sein; die Rebellen selbst sprachen von 60 Kämpfern. Nach der Blockade zogen sich jene, die überlebten, in die Berge zurück.
Einschusslöcher und Brandspuren an zahlreichen Häusern von Kadyrows Privatgarde zeugten von den blutigen Scharmützel, Augenzeugen berichteten von Leichenteilen, die herumlagen. Kadyrows uniformierte Schlägertrupps ließen sich vom Fernsehen beim Inspizieren der Leichen getöteter Rebellen filmen.
Kadyrow selbst war nach Angaben seines Pressesprechers in seinem Haus, als der Überfall auf Zentoroi begann. Er habe seine Sicherheitsleute während des Angriffs persönlich befehligt, hieß es. Es folgte die übliche Erfolgspropaganda: Alle 12 Mujahedin seien bei dem "Spezialeinsatz der Sicherheitskräfte" getötet worden - und fünf seiner Sicherheitskräfte. "Die Banditen sind vernichtet, die Lage ist stabil", verkündete Kadyrow. Lediglich zwei der "Banditen", die den Überfall auf Video aufgezeichnet hätten, aber selbst nicht gekämpft hätten, seien entkommen.
Für Kadyrow ist der Rebellenangriff auf Zenteroi, den bestgesicherten Ort in ganz Tschetschenien, ein gigantischer Imageverlust - straft er doch seine Aussagen Strafe, die Mujahedin seien nahezu besiegt. Ihre Kampfstärke spielt der von Wladimir Putin eingesetzte Statthalter von Grosny auf 50 bis 70 Mann herunter - wohl wissend, dass die Separatisten, die für einen von Russland unabhängigen Nordkaukasus kämpfen, um die 3000 Kämpfer unter Waffen haben. Doch er ist dem russischen Premier Putin Erfolge schuldig, der ihn dafür frei walten und schalten lässt - wie die Morde an Menschenrechtlern und Berichte über Folterungen und extralegale Exekutionen zeigen.
Zwar scheiterten die Rebellen mit ihrem Versuch, Kadyrows Residenz einzukreisen, doch ist der Überfall auf dessen Heimatdorf ein starkes Lebenszeichen des bewaffneten Widerstandes. Es kratzt am Image Kadyrows als absoluter Diktator, der alles unter totaler Kontrolle hat.
Dass Tschetscheniens brutaler Herrscher wegen Erfolglosigkeit bei der Befriedung der russischen Teilrepublik den Rückhalt Moskaus verliert, hält Alexej Malaschenko vom Carnegie Center Moskau dennoch für unwahrscheinlich. "Ich sehe keine Person, die ihn ersetzen könnte", erklärt der Politanalyst gegenüber der "Wiener Zeitung". Kadyrows Truppen würden sofort den Kampf mit Moskau aufnehmen - das könne sich der Kreml nicht leisten, dazu seien diese zu gut bewaffnet. "Präsident Dmitri Medwedew und Putin sind Geiseln von Kadyrow".
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