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Schlagstöcke gegen Mönche sind "zutiefst schockierend"

Von Claudia Vogt

Politik

Buddhismus-Expertin Miriam Kapp analysiert Ereignisse in Burma. | Berlin/Rangun. (apa) Das Verhalten der burmesischen Militärs gegenüber den buddhistischen Mönchen hat die Berliner Ethnologin Miriam Kapp als "zutiefst schockierend" für die Bevölkerung Burmas bezeichnet. Dass einem Mönch mit einem Stock über den Kopf geschlagen wird, sei eine Unvorstellbarkeit für die Buddhisten.


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"Das Regime kann das nicht rechtfertigen. Es wird dasselbe wie vor zwei Jahrzehnten tun - die Einheit des Landes beschwören und darauf hinweisen, dass nur sie das Land vor dem Chaos und Auseinanderbrechen bewahre. Teile des burmesischen Staatsgebietes werden von ethnischen Rebellenarmeen kontrolliert; die zahlenmäßig stärksten nichtburmesischen Völker sind die Karen, Shan, Kachin, Chin und Mon. Allerdings sind neun von zehn Burmesen Buddhisten - und ein Vorgehen gegen die buddhistischen Mönche für die Militärregierung mithin ein beträchtlicher Gesichtsverlust. Mönche würden niemals infrage gestellt und schon ein Bild, das eine Schürfwunde auf dem Kopf eines Robenträgers zeige, löse Entsetzen in der Bevölkerung aus.

"Es ist eine sehr symbiotische Beziehung zwischen den Familien und den Mönchen. Idealerweise sollte auch die Beziehung zum Staatsoberhaupt eine solche sein, aber sie wurde durch das Verhalten der Militärs zerstört", sagte Kapp. Die Junta hätte alles versucht, die traditionell autonomen Klöster unter ihre Kontrolle zu bringen: "Natürlich gibt es auch Mönche, die sich korrumpieren ließen durch die doch sehr spendablen Generäle."

"Im Sommer 1990 aber wollte ein Minister eine aufwändige Spende machen. Ein Mönch in Mandalay hat sich geweigert, sie anzunehmen", erzählte die Völkerwissenschafterin, "Festnahmen folgten". Wenn wie in den vergangenen Wochen Tausende Mönche mit umgedrehten Reisschalen durch die Straßen marschieren, hat das für Kapp sehr viel Symbolkraft: "Sie verweigern mit dieser Geste den Spendern, ihre Zukunft positiv zu beeinflussen. Die Geste gilt den Militärs, ihren Familien und den Regierungsmitgliedern."

Der Buddhismus sei im Prinzip eine unpolitische und zum Teil sehr individualistische Religion, meinte Kapp. Dennoch würden die moralischen Grundsätze des Buddhismus die Mönche in die Pflicht nehmen. Mit dem öffentlichen Rezitieren des Metta-Sutta, einer Predigt Buddhas, die das Wohlwollen gegenüber allen Lebewesen ausdrückt, würden sie ihren Protest kundtun: "Die Mönche beobachten, dass von der Regierung kein solches Wohlwollen ausgeht und das Volk darbt. Sie sind unabhängig geblieben und handeln aus moralischer Überzeugung."

Ein Teil der Mönche hätte sich eindeutig mit der Demokratiebewegung solidarisiert, analysiert Kapp: "Sie sind zum Haus der unter Hausarrest stehenden Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi gezogen und haben das Metta-Sutta rezitiert. Durch gefaltete Hände und einen leicht nach vorne geneigten Oberkörper erwies diese den Mönchen ihren Respekt."