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Schlechtes Material kann nicht der einzige Grund sein

Von Christoph Rella

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In der Formel 1 ist das bereits gelebte Praxis. Läuft es in der Pilotkanzel einmal nicht so gut, ist eine Begründung für das eigene unterdurchschnittliche Abschneiden rasch gefunden: der Motor, die Reifen, überhaupt das Material.

So gesehen haben Fernando Alonso und Marcel Hirscher fast etwas gemeinsam. Aber auch nur fast. Schließlich sind Autos und Ski zwei grundverschiedene Dinge. Was beide Sportler aber eint, ist die Fassungslosigkeit und Enttäuschung über das eigene Unvermögen, trotz allerhöchsten Einsatzes und harten Trainings auf Asphalt oder im Riesentorlauf den ersten Platz zu belegen. Die Reaktion des Österreichers auf das Erreichen des bloßen dritten Stockerlplatzes (nach Ted Ligety und Bode Miller) könnte auch aus dem Munde Alonsos stammen: "Wer eine Erklärung hat, soll’s mir sagen." Und tatsächlich war die Erklärung rasch gefunden: Hirscher fährt Atomic, Ligety und Miller aber greifen auf Head zurück.

Irgendwie ist die Enttäuschung ja verständlich. Wie kann es sein, dass Bode Miller, der immerhin 36 Lenze auf dem Buckel hat, Österreichs Superstar auf den nächsten Platz verweist? Dass das mit dem Material zu tun hat, mag sein. Allerdings darf man aber auch nicht übersehen, dass die US-Amerikaner derzeit einfach einen guten Lauf haben. Insofern ist es beim Riesentorlauf und bei der Formel 1 nicht anders als beim Fußball: Ein Superstar alleine macht noch keinen Sieg, sondern immer nur das Team. Hirscher und Alonso stünde besser an, ihre Materialprobleme mit Atomic und Ferrari direkt auszudiskutieren, statt in die Kameras zu jammern.