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Schluchz oder Schmarren

Von István Orbán

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Freunde sagten mir vor einiger Zeit, ich solle mir doch einmal "Herzklopfen" ansehen und etwas darüber schreiben · die Sendung sei einfach unsäglich. Vergangenen Donnerstag Abend stand in ORF 1

"Herzklopfen" auf dem Programm, ich habe es mir angesehen. Na ja, die Sendung ist tatsächlich größtenteils unsäglich. Da wird Herz-Schmerz-Liebe-Triebe nach brutalem Timing im Schnellverfahren

abgewickelt, von einer ausstrahlungslosen Maria-Christine Giuliani voller aufgesetzter Gestik und Sprache, die pseudo-flott ("Natascha, du kommst ziemlich selbstbewusst rüber") bis tantenhaft

("vielleicht kann sich auch dein Leben ändern durch Herzklopfen" spricht sie die Zuschauer an wie eine Volksschullehrerin ihre Erstklässler · das Niveau ihrer Zielgruppe?), jedenfalls aber recht

hölzern daherkommt. Einem Ehepaar zum Wiedersehen mit ihren in alle Welt verstreuten ehemaligen Ziehkindern zu verhelfen ist immerhin als Idee nett, deren schmonzettengeile kommerzielle

Ausschlachtung aber widerlich. Das gilt allerdings nicht nur für diese Belanglos-Sendung, sondern ebenso für die "Veras", "Help-TVs" und wie sie noch heißen mögen, mit denen wir im ORF-Hauptabend

zugeschluchzt werden; wenn nicht gerade Vermoikung, Prünsterei, Bergdoktorspiele oder sonstiger Schmarren auf dem Programm steht.

Wo bleibt der bei Antritt von GI Weis angesagte Verzicht auf das unbedingte Quotenschielen?, die Qualität im Hauptabend? Ich find sie kaum. Werde deshalb manchmal zum Nachtmenschen. Und wechsle (dank

Kabel) immer öfter zu anderen Sendern.