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Schmückendes Feigenblatt Musik

Von Judith Schmitzberger

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Die Katze ist aus dem Sack, und schon ist sie wieder verschwunden. Die Wiener Festwochen haben sich in den letzten Jahre unter Luc Bondy ganz klar zu einem Theater-Festival mit Musik-Aufputz entwickelt. Die aktuelle Ausgabe führt diesen Weg noch klarer weiter.


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Mit der ersten Produktion eröffnet und mit der zweiten schon wieder

vorbei - üppig lässt sich so ein Opern-Programm der Festwochen 2010 wahrlich nicht nennen. Auch das an sich ehrenhafte zum Motto ernannte "Fest für Alban Berg" ließe sich kreativer, spannender und umfassender gestalten als mit zwei Opernproduktionen und einer Handvoll Konzerten.

Die künstlerische Qualität erwies sich bei "Wozzeck" als (mittel)mäßig und bei "Lulu" als handwerklich solide. Wo hinter diesen zwei Stücken die Dramaturgie des Musikdirektors Stéphane Lissner stecken mag, bleibt jedoch rätselhaft. Die Konzerte der Festwochen sind seit Jahren auf Musikverein und Konzerthaus ausgelagert, inhaltliche Brücke gibt es keine. Und das Opern-Programm ist dabei, sich selbst für obsolet zu erklären. Die Festwochen sollten eine Entscheidung treffen. Entweder für ein klares Bekenntnis zum Theater ohne musikalisches Feigenblatt. Oder für die Existenz als Mehr-Sparten-Festival mit einem eigenen Musikchef. Der sollte dann aber auch etwas programmieren, was diesem Titel annähernd gerecht wird.