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Bei manchen Menschen muss man sich echt Sorgen machen, wenn es von ihnen keine Wortspende via Twitter gibt. Boris Becker ist so einer. So legendär der Deutsche während seiner Tenniskarriere war, so legendär ist auch sein Bedürfnis, die Öffentlichkeit mit Informationen über sein Privatleben zu überschwemmen, die die Menschheit nicht gebraucht hat, ihr aber immerhin Wortschöpfungen wie "Besenkammeraffäre" und "Samenraub" verschafft haben. Davon dass Becker recht erfolgreich darin ist, sein eigenes Denkmal zu zerstören, kann sich jeder in seiner Autobiographie "Das Leben ist kein Spiel", in dem er etwa zutiefst private eheliche Auseinandersetzungen genüsslich ausschlachtet, in über soziale Netzwerke verbreiteten Gehässigkeiten sowie bei der Ansicht slapstickartiger TV-Auftritte ein Zeugnis machen. Nun will er sich offenbar wieder seiner ursprünglichen Kernkompetenz verschreiben und als Trainer von Novak Djokovic anheuern. Obwohl er abgesehen von einem Intermezzo als deutscher Daviscup-Kapitän über keine einschlägige Erfahrung verfügt, wurde die Zusammenarbeit am Mittwoch entsprechend euphorisch bekannt-
gegeben. Er sei "begeistert" darüber, mit Becker zu arbeiten, verkündete Djokovic. Doch ob er sich wirklich einen Gefallen tut? Denn obwohl Becker von künftigen gemeinsamen Großtaten spricht und davon, dass er gemerkt habe, "dass Novak einen neuen Trainer braucht", ist eher anzunehmen, dass er selbst diese Zusammenarbeit braucht. Es könnte eine Chance sein, aus dem selbst gewählten Schmuddeleck herauszukommen. Eine kleine. Und vielleicht seine letzte.

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