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Schneegestöber aus Sternenstaub

Von Judith Belfkih

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Man kann vieles sagen über die Naturwissenschaften. Sie helfen uns, die Phänomene der Welt zu verstehen. Sie klären auf, entmystifizieren. Und sie helfen uns dabei, uns selbst zu verstehen. Zumindest den biologischen Teil von uns. Romantischer machen sie unser Dasein jedoch nicht.

Früher hat man sich erzählt, dass es zu den Aufgaben der Engel gehört, die Sterne zu putzen. Damit sie richtig funkeln. Manchmal bricht dabei ein Stück der himmlischen Kerzen ab und fällt zur Erde - was wir als Sternschnuppe beobachten. Abgelöst wurde diese Erklärung davon, dass bei einer Sternschnuppe ein tragisch sterbender Stern in der ewigen Nacht verglüht.

Noch immer schicken unzählige Menschen in den Sternschnuppen-Nächten Mitte August Wünsche gen Himmel, der vom Perseiden-Schauer erhellt ist.

Nüchtern betrachtet sieht die Sache freilich anders aus. Die Meteorströme, die immer um den 12. August sichtbar werden, sind eine Staubspur, die der Komet Swift-Tuttle hinterlassen hat. Winzige Bruchstücke aus dem Kometenschweif, jeweils nicht größer als 1 Millimeter, sorgen für das Glitzern am nächtlichen Himmel. Sie verglühen beim Eintritt in die Erdatmosphäre. Müllverbrennung also. Und weg ist die schöne Romantik.

Geht man jedoch wie die Mongolen davon aus, dass Sternschnuppen die Seelen der Verstorbenen auf ihrer Reise ins Jenseits sind oder fürchtet man sie wie auf den Andamanen-Inseln, weil man sie für Fackeln hält, mit denen böse Geister Jagd auf Menschen machen - dann erweist sich die die Vernunft der Wissenschaft als wahrer Segen. Schwacher Trost.