Zum Hauptinhalt springen

Schräge und himmlische Töne

Von Reinhold Aumaier

Kommentare

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 21 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Gestern nickten wir angetan zum schön komponierten "Pasticcio", das uns Helmut Jasbar via Öl zu Ohren kommen ließ. Vorgestern schüttelten wir zuerst zweimal den Kopf. Die Dame erschien in Schwarz und kündigte eine Sendung "ganz im Zeichen" des Jahrestages zum 11. September an. Die Sendung heißt "Wien heute" und berichtet auf ORF 2 in der Regel über Alltägliches aus Wien und Umgebung mit kurzen Seitenblicken in die Bundesländer. Ab und zu, bei dramatisch-innenpolitischer Entwicklung, wird auch darüber (kurz) berichtet. Ziemlich überdreht, unserer Meinung nach, dieser Betroffenheitskult samt Dranbleiben am Schrecklichen. Das Grausigste und Treffendste zum Gedenken auf Schlachtfeldern und an Unglücksorten sowie der damit verbundenen Schaulust bis hin zum Devotionalienhandel hat bekanntlich Karl Kraus mit seinen "Reklamefahrten zur Hölle" verfasst; jederzeit nachzulesen, vor allem aber - von ihm selber hinausgeschrien - nachzuhören.

Zweimal nach - und genauer hinhören musste man auch beim um 19.30 Uhr von Öl ausgestrahlten Liederabend des hochgelobten Christian Gerhaher. Er deklamierte mit hörenswerter Stimme, viel Verve und großer Textdeutlichkeit Schuberts "Schöne Müllerin" so, dass . . . man sich bald die Ohren rieb. Spätestens als er "Tttain ist mein Herrrz" hinausposaunte, war der Franzl samt alledem, was ihn ausmacht, in den Bach geplumpst. Fluchtartig somit der Wechsel um 20.15 Uhr zu 3sat, zum Live-Konzert "Frieden durch Musik" aus Krakau. Trotz schlechter Tonqualität: Brahms' "Ein Deutsches Requiem" ging einmal mehr tröstend und aufwühlend ins Ohr und direkt unter die Haut. Mit dem anschließenden Porträt des ost-westlichen Jahrhundertmusikers Ravi Shankar setzte arte diesem Mittwoch dann noch ein spätabendlich-musikalisches Glanzlicht auf.