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Schreckensstimmung in den USA - Europäer gelassener

Von Bernhard Fischer

Politik

Handgranate in New York ist doch nur Parfum. | Österreicher fühlen sich kaum bedroht. | NewYork/London/Wien. Wurde am Montag noch der Opfer des 11. September gedacht, so musste am folgenden Tag wieder einmal ein Verkehrsknotenpunkt, der Busbahnhof Pennsylvania Station in New York, evakuiert werden. Ein Gegenstand, der einer Handgranate ähnelte, entpuppte sich doch als harmloser Parfum-Flakon. In den USA riecht es förmlich nach Terror.


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Die Regierung Bush weiß um die ängstliche Stimmung in der Bevölkerung - Washington, das politische Herz der USA, fürchtet sich Umfragen zufolge mittlerweile mehr als New York. Die Terroralarmstufe sei nach wie vor auf Orange, also erhöht, erfährt man vom Heimatschutzministerium. Die Angst in der Bevölkerung und der Administration hat das US-Festland längst verlassen und sich auf den Weg über den großen Teich gemacht.

Die Fluglinie British Airways hat sich die Sicherheitsvorkehrungen 40 Millionen Pfund allein im August kosten lassen. 1280 gestrichene Flüge haben die Kosten stark in die Höhe getrieben. Kostspielige Sicherheits- und Entschärfungsdienste müssen anlässlich herrenloser Gepäckstücke gerufen werden, Fluggäste beschweren sich über nicht einhaltbare Termine. Ein damit verbundener volkswirtschaftlicher Schaden ist nur schwer zu beziffern.

EU emanzipiert sich

bei Terrorbekämpfung

Während die alarmbereiten US-Amerikaner nicht müde werden, die Europäer bei ihren Anti-Terrorbemühungen Huckepack zu nehmen, hat die Europäische Union beschlossen, einen eigenen Weg zu gehen. Großbritannien, noch am ehesten von den Terrorbefürchtungen erfasst, führt den gemeinsamen europäischen Kraftakt an Sicherheitsvorkehrungen und Anti-Terrormaßnahmen an. Zuletzt hatte der britische Innenminister John Reid sich mit seinem deutschen Kollegen Wolfgang Schäuble und Nicolas Sarkozy aus Frankreich abgesprochen. Die aufwendigen Kontrollen bei der Flugabfertigung führten zwar zu Verzögerungen, seien aber nicht annähernd so unangenehm, wie der Verlust von Menschenleben, sagte Reid.

Österreich ist laut einer Studie nur zu zwölf Prozent über die Terrorgefahr besorgt. "Es kommt vor, dass Touristen ein Gepäckstück stehen lassen, weil sie sich gerade was zu essen holen", beschwichtigt die Pressesprecherin der ÖBB, Katharina Gürtler. Sie könne sich nur an einen Fall erinnern, bei dem der Bahnhof St. Pölten gesperrt und der Entschärfungsdienst gerufen wurde. Der Sicherheitssprecher der Grünen, Peter Pilz, ortet eine mangelnde Terrorismusprävention bei Atomkraftwerken. Demnach wäre Salzburg bei einem Anschlag auf ein in Bayern nahe gelegenes Atomkraftwerk als erstes höchst gefährdet.