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Schrei nach Aufmerksamkeit

Von Christina Böck

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Albern fand der zeitgenössische Maler Gerhard Richter den letzten Auktionsrekord, den eins seiner Bilder - wieder einmal - erzielt hatte. Schwer zu sagen, ob Edvard Munch das auch so sehen würde. Sein "Schrei" ging ja nun in New York für 91,3 Millionen Euro weg. Das Bild ist somit das teuerste jemals bei einer Auktion verkaufte Kunstwerk der Welt. Es ist freilich nicht die Nummer eins auf der Liste der teuersten Gemälde. Die wird nach wie vor von einem Jackson Pollock angeführt, den der Filmproduzent David Geffen 2006 an einen unbekannten Finanzstarken abgegeben hat - allerdings in einem Privatverkauf.

Von den teuersten zehn Kunstwerken dieser Liste wurden übrigens alle bis auf eins erst in unserem Jahrhundert zu diesen horrenden Preisen verkauft. Erst seit 2000, scheint es, geht die Kunstmarkt-Preisspirale immer weiter hinauf. Auch Finanzkrisenjahre spielen da keine Rolle. Ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese Blase platzt? Nun sind solche Spektakel Einzelfälle, tatsächlich reguliert sich der "normale" Kunstmarkt nach einem heftigen Einbruch langsam wieder. Und ob die Familie des Emirs von Katar, die Gerüchten zufolge den "Schrei" erstanden hat, ihn jemals ohne Verlust wieder verkaufen wird können, wird diesen Herrscherclan erstmal auch nicht sehr kümmern.

Solche Auktionsrekorde sind nicht viel mehr als Marketing für die Kunst - und im aktuellen Fall könnte das sogar etwas Gutes bewirken: In Oslo wird nämlich schon länger um den Neubau eines Munch-Museums gestritten. Jetzt sollte auch den Skeptikern klar sein, dass der Expressionist ein eigenes Museum verdient.