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Schreiben über die eigenen Identitäten

Von Stefan Beig

Politik

Den Exil-DramatikerInnenpreis erhält eine junge Autorin. | Wien. Von Identitätsproblemen, und zwar von jüdischen, handelt das Debütstück Olga Gryasnowas. Um zwei Schwestern, die sich nach Jahren der Emigration in Israel wiedersehen, geht es in ihrem Theaterstück "Mitfühlende Deutsche". Am Samstag wird Gryasnowa für dieses Werk bei der Buchmesse (Messegelände, Halle D) der Exil-DramatikerInnenpreis 2010 überreicht. Ein "erstaunlich reifes" Stück, befand die Jury.


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Die Autorin ist noch jung: Gryasnowa wurde 1984 in Aserbaidschan geboren, wuchs im Kaukasus auf und wanderte als Elfjährige nach Deutschland aus. Gestiftet wird der Exil-DramatikerInnenpreis seit 2007 von den Wiener Wortstätten, einem interkulturellen Autorenprojekt, das Dramatikern eine eigene Schreibwerkstätte bietet.

"Unser Ansatz basierte auf der Wahrnehmung, dass sich Wien verändert hat und Zuwanderer verschiedener Ethnien eine Menge auf Deutsch schreiben", meint der künstlerische Leiter Hans Escher. "Doch in den Spielplänen wurde das damals nirgendwo abgebildet."

"Wir versuchen möglichst ideale Voraussetzungen für Theaterautoren zu schaffen", ergänzt Bernhard Studlar; er ist ebenfalls künstlerischer Leiter. "Bei uns haben Autoren sieben Monate lang die Möglichkeit, die Stücke mit Schauspielern ohne Öffentlichkeit auszuprobieren." Im ersten Jahr war noch Voraussetzung, dass alle Autoren Migrationshintergrund haben, doch das wurde danach geändert, damit nicht der gegenseitige Austausch fehlt.

Schon Prominenz dabei

25 Autoren haben mittlerweile die Werkstatt durchlaufen. "Die Leute schicken uns ihre Texte oder wir gehen auf sie zu", erzählt Escher. Zu den bekannten Autoren, die bereits gefördert wurden, zählen unter anderem Dimitré Dinev und Seher Cakir.

2009 bekam die russischstämmige Autorin Marianna Salzmann den DramatikerInnenpreis für ihr Stück "Weißbrotmusik", das nun im Oktober aufgeführt wurde. "Es geht um eine ganz einfache Geschichte", meint Escher. "Ein Jude ist mit einem Türken befreundet, dessen Freundin schwanger wird. Der Türke fühlt sich überfordert, sein jüdischer Freund fordert von ihm Verantwortung, gleichzeitig beginnt eine Beziehung zur Türkin. So entstehen Spannungen. Die Handlung ist der Aufhänger um das Sich-Ausgegrenzt-Fühlen der Zuwanderer zu vermitteln."

Viele Stücke setzen sich mit solchen Problemen auseinander. "Heimat und Interkulturalität sind die Themen der Autoren", berichtet Bernhard Studlar. "Man erzählt über sich selbst", ergänzt Hans Escher. "Jeder spiegelt sich selbst in diesem Stoff wider."

Studlar findet gerade bei Autoren nicht-deutscher Muttersprache eine eigene Poesie: "Die Struktur der Muttersprache bleibt erhalten und fließt in die deutsche Sprache ein."

www.wortstaetten.at