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"Schritt ist mir nicht leicht gefallen"

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Rücktritt nach 39 Jahren in der Bawag. | Kein Eingeständnis einer Schuld. | Wien. Für Johann Zwettler war es einer der letzten Medienauftritte. Er wirkte von der vierstündigen Krisensitzung des Bawag-Aufsichtsrats sichtlich gezeichnet, als er verkündete, seinen Posten mit Ende des Jahres zurückzulegen.


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Als Grund führte er nicht die Ergebnisse des Prüfberichts der Finanzmarktaufsicht (FMA) an, sondern das mediale Schussfeld, in das die Gewerkschaftsbank in den letzten Wochen gekommen war. "Der Schritt ist mir nicht leicht gefallen, aber er ist notwendig. Ich möchte, dass die Bank wieder aus dem medialen Trommelfeuer kommt."

Ob ihm dies mit seinem Abgang tatsächlich gelingt, ist nicht klar. Zu viele Fragen sind im Debakel um den 350-Millionen-Euro-Kredit an den mittlerweile insolventen US-Broker Refco und dessen Ex-Chef Phillip Bennett offen geblieben. Auch muss die Bawag P.S.K. mit einer Klagsflut von um ihr Geld geprellten Refco-Gläubigern rechnen, die sicher wieder für medialen Zündstoff sorgen wird.

Aufsichtsratschef und ÖGB-Sekretär Günter Weninger nahm den vorzeitigen Rücktritt Zwettlers an, obwohl er den Vorstand von jeglicher Schuld befreit sieht. "Es geht mir schlecht. Ich bin betroffen. Doch wir konnten ihn nicht mehr umstimmen", erklärt Weninger nach der Krisensitzung.

Dass die zwei anderen in den Kredit-Fall involvierten Vorstände Peter Nakowitz und Christian Büttner ebenfalls den Hut nehmen werden, schließt er aus. Mehrmals betont er, vom Rücktritt seines langjährigen Weggefährten überrascht worden zu sein, "sodass es noch keine Überlegungen über einen Nachfolger gibt". Auch personelle Konsequenzen im Aufsichtsrat schloss Weninger aus.

Er stellte klar, dass es sich bei der Vergabe des Kredits an Refco um keinen leichtfertigen Schritt gehandelt hat. Immerhin hätten sich Bennett und andere hochrangige Vertreter der Refco-Gruppe um das Geld bemüht - wie sich nun herausgestellt hat, in betrügerischer Absicht.

Doch Weninger kam nicht umhin, auf die kritischen Passgen im FMA-Bericht zu reagieren. Er gesteht Fehler bei der Kreditvergabe ein: So hätte beispielsweise der Kreditausschuss damit befasst werden müssen. Eine Verstoß gegen das Bankwesengesetz oder die Sorgfaltspflicht sei diese Versäumnis jedoch nicht. Auch räumt er Schwächen im Kotrollsystem ein, diese würden aber so rasch wie möglich behoben.

Bawag will Geld zurück

Schon vor der Krisensitzung ließ das Finanzinstitut via Aussendung wissen, wo die eigentlichen Schuldigen sitzen: Nicht in der Bank, sondern in den USA. Daher haben die Bawag-Anwälte am Donnerstag beim Insolvenzgericht in New York wegen Betrugs Klage gegen Bennett, Refco Inc., Refco Capital Markets, die Refco Group Holding und weitere Unternehmen eingebracht.

Die Bank verlangt das Geld zurück, das sie am 10. Oktober an das Bennett-Unternehmen Refco Group Holding überwiesen hat. Doch derzeit ist laut Bawag nicht ausfindig zu machen, in welchem Unternehmen die Millionen versteckt wurden. Deshalb muss das Kreditinstitut nun insgesamt 28 Unternehmen verklagen.

Mit dem Schritt wird die notwendige rechtliche Konsequenz aus der Tatsache gezogen, dass die Bank davon ausgeht, Bennett und Refco steckten unter einer Decke, als sie der Bank "in unzulässiger und betrügerischer Weise" die 350 Mio. Euro auf ein Konto der Refco Capital Markets entlockt hatten. Eine Ausweitung der Klage ist möglich.