Zum Hauptinhalt springen

Schritte und keine Spuren im Sand

Von Judith Belfkih

Kommentare

Es war und ist sein ausdrücklicher Wunsch, den Ballett-Standort Wien zu stärken. Beziehungsweise Wien überhaupt zu einem solchen zu machen. Der neue Staatsopern-Chef Dominique Meyer hat dazu noch vor Amtsantritt ein klares Zeichen gesetzt und den Franzosen Manuel Legris zum Ballett-Chef gekürt. Nach dessen ersten Premieren an der Staatsoper ist die Zwischenbilanz durchwachsen. Auch wenn der Weg sicher in die richtige Richtung geht.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 13 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Die Spannkraft, eine neue abendfüllende Choreografie in Wien herauszubringen, erarbeitet Legris offenbar noch. Steigert das Niveau jedoch durch anspruchsvoller werdende bereits bestehende Stücke. Die jüngste Produktion im Haus am Ring setzt jedoch auch ein sonderbares Zeichen in Richtung Aufwertung des Balletts: Bei "Schritte und Spuren" kommt die Musik aus der Retorte, spielt statt der Hausband - die sich immerhin aus den Reihen der Philharmonikern zusammensetzt - ein Rekorder. Natürlich lenkt das die ganze Aufmerksamkeit auf den Tanz, er steht als einziger Star im Mittelpunkt des Interesses, Ablenkung aus dem Graben gibt es nicht, auch kein Dirigent, der durch unerwartete Tempi stört. Gleichzeitig ist es auch ein trauriges Signal, dass das Ballett aus musikalischer Sicht so uninteressant ist, dass es nicht einmal Live-Musik benötigt.

Bleibt zu hoffen, dass Legris Schritte in die richtige Richtung sich nicht wie Spuren im Sand verlieren.

Siehe auch:Poetische Entkleidungen