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Schröder promotet seine Memoiren

Von WZ-Korrespondent Markus Kauffmann

Europaarchiv

Werbeoffensive für Kanzler-Buch. | Berlin. "Wenn er als Kanzler vor den Reformbeschlüssen so viel Zeit und Energie in ihre Vermittlung und Umsetzung gesteckt hätte wie nun in die Werbung für sein Buch, wäre Rot-Grün noch an der Regierung und die Gesellschaft schon ein gutes Stück weiter", meint die deutsche Ex-Ministerin Renate Künast.


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Altkanzler Gerhard Schröder ist elf Monate nach seinem Abgang zum zweiten Mal in aller Munde. Rechtzeitig vor Erscheinen seiner Autobiografie am Donnerstag. Interviews in "Bild" und "Spiegel", eine Hommage in der ARD - soviel Aufmerksamkeit war dem bulligen Anwalt nicht mehr zuteil seit seinem dubiosen Gazprom-Deal mit Russlands Putin.

Schon der Titel des Buches - "Entscheidungen" - will das Bild des Altkanzlers als den Entschlossenen, den "Basta"-Kanzler festigen. Da fügt es sich, dass Angela Merkel, gerade wegen der Gesundheitsreform durch ein Formtief geht. Nun wirft Schröder seiner Amtsnachfolgerin "fehlende Führung" vor.

Die verkaufsfördernde Wirkung der Attacken ist kalkuliert. Der "Medien-Kanzler", der "zum Regieren Bild, Bild am Sonntag und Glotze" braucht, erhielt vom Hoffmann&Campe-Verlag einen Vorschuss in Millionenhöhe.

Die Grenze zum Voyeurismus ist fließend: Nein, Lafontaine wird nicht abgewatscht, dafür aber die Gewerkschaftsbosse - und Edmund Stoiber. Union und Gewerkschaften sind sich deshalb einig: Das Buch ist Quatsch. Schröder wolle seine Memoiren verkaufen, weil er "von dem Einkommen aus der Tätigkeit für Gazprom nicht allein leben kann", so Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU).