Zum Hauptinhalt springen

Schröder wirft Ballast ab

Von Christine Pöhlmann

Politik

Berlin - Noch einen "Hammer" durfte sich Rudolf Scharping nicht leisten - darin waren sich seine Parteifreunde schon nach der letzten Eskapade des Verteidigungsminister einig. Die jüngste Affäre um zweifelhafte Honorarzahlungen wollte nun niemand mehr durchgehen lassen. Egal, ob sich der Minister etwas hatte zuschulden kommen lassen oder nicht.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 21 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Knapp und kühl sprach der deutsche Kanzler Gerhard Schröder (SPD) am Donnerstag in Berlin sein Machtwort: Scharping muss gehen.

Die bevorstehende Entlassung hatte schon zuvor die Runde gemacht, obwohl der Minister noch im Flugzeug auf dem Weg zurück in das brodelnde Berlin war. Scharping erhielt auch nicht einmal mehr die Gelegenheit, sich vor den SPD-Gremien ausführlich zu rechtfertigen, bevor sein Schicksal besiegelt wurde. Mitten im Wahlkampf konnte der Kanzler eine weitere Affäre nicht riskieren.

Nach seinen Mallorca-Flügen, den in einer Illustrierten veröffentlichten Badefotos, die ihn mit einer Freundin am Pool zeigten, Indiskretionen zu Militäreinsätzen und Patzern beim Kauf des Militärtransportflugzeugs A400M war er jedes Mal noch davongekommen.

Selbst in der eigenen Partei hieß es allerdings schon im vergangenen August, als der Verteidigungsminister mit seiner Gräfin im Pool auf Mallorca turtelte, während die Bundeswehr ihren Mazedonien-Einsatz leistete: "Der hat völlig die Bodenhaftung verloren." Die Uneinsichtigkeit, mit der Scharping seine jeweiligen Affären begleitete, brachte auch den grünen Koalitionspartner zu dem Urteil: "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's gänzlich ungeniert." Scharping ist bereits der siebte Minister, den Schröder auswechselt. Ob das dem Kanzler wirklich hilft, ist ungewiss.