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Schule ums Eck als bester Tipp

Von Alexandra Laubner

Politik
© Arnold Burghardt

Jürgen Czernohorszky, der neue Wiener Stadtschulratspräsident, im Interview.


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Wien. Die Wänden in seinem Büro sind noch kahl, einen Kaffee lehnt er ab. Das wäre dann die siebente Tasse um 11 Uhr vormittags. Jürgen Czernohorszky (38), ehemaliger SP-Gemeinderat und Bundesgeschäftsführer der Kinderfreunde, wurde am Donnerstag zum amtsführenden Präsidenten des Stadtschulrates ernannt. Der studierte Soziologe ist Vater zweier Mädchen, lebt in Penzing.

"Wiener Zeitung": Die Studie von Integrationsminister Kurz über Radikalisierungenstendenzen an Wiens Kindergärten schlägt Wellen. Wie wollen Sie Radikalisierung an Schulen verhindern?Jürgen Czernohorszky: Zum Glück brauchen wir keine 16-seitige Studie, wo sieben Leute angerufen wurden, um hellhörig zu werden. Überprüfungen passieren laufend. Wenn eine Schule den gesetzlichen Grundlagen nicht entspricht, dann gehen wir dagegen vor, wie beispielsweise bei der "Saudi School Vienna" im dritten Bezirk im Dezember 2014. In Wien gibt es seit einem Jahr das Deradikalisierung-Netzwerk. Fast 2000 Pädagogen wurden geschult, zudem arbeiten wir eng mit der Polizei zusammen.

SPÖ und Grünen haben sich auf 1000 neue Lehrer und 100 neue Schulpsychologen geeinigt. Gibt es einen Zeitplan,?

Man darf sich das nicht so vorstellen, dass es einen Tusch gibt, und plötzlich sind 1000 neue Lehrer da. Das wird laufend passieren, schon ab dem nächsten Jahr.

Wie kann man sich Ihren ersten Tag im neuen Amt vorstellen?

Ich habe im Büro die Türen aufgemacht und mich über alle gefreut, die durch diese Türen gekommen sind. Bilder aufhängen konnte ich noch nicht, wie man an den kahlen Wänden sieht.

Was werden Sie besser als Vorgängerin Susanne Brandsteidl machen?

Vieles gleich, manches anders.

Wie weit ist Ihrer Bewertung nach Ihre Schule der Zukunft auf einer Schulnotenskala von 1 bis 5 in Wien bereits Realität?

Ich bin kein Freund von Noten, sondern bevorzuge persönlich eine individuelle verbale Leistungsbeurteilung. Ich wollte der Frage aber nicht aber ausweichen. Wir sind vor einiger Zeit bereits losgelaufen, sind also nicht mehr in den Startlöchern, aber auch noch nicht am Ziel.

Es ist wichtig, dass die Schule Kinder bestmöglich fördert und Chancen eröffnet und nicht verschließt. Dann werden Eltern sagen, genau so eine Schule möchten wir haben. Dann wird die Auseinandersetzung nicht die eines Grabenkampfes sein, wo im Mittelpunkt die Abschaffung einer Schulform steht, sondern der breite Wunsch nach einer Schule des 21. Jahrhunderts. Es soll weder um eine Zwangsbeglückung noch um eine Türschild-Diskussion gehen, sondern es muss gelingen, Eltern, Lehrer und Kinder zu überzeugen.

Das klingt gut, aber wie ist dies in der Realität auf dem politischen Parkett umsetzbar?

Eine Bekannte von mir ist ins Sonnwendviertel gezogen. Die Bewohner reißen sich dort um einen Platz am Bildungscampus Hauptbahnhof, wo der Kindergarten mit der Schule und die Volksschule mit weiterführenden Schulformen verwoben ist. Das ist der beste aller Varianten, Dort stellt sich keiner die Frage, warum dort nicht AHS drauf steht, sondern wie bekommt mein Kind einen Platz? So stellte ich es mir vor.

Was würden Sie Eltern von zukünftigen Tafelklasserln raten?

Sich und schon gar nicht die Kinder unter Druck zu setzen. Die Schule ums Eck bietet großartige Möglichkeiten. Meine Kinder waren noch nie in einer Schule, wo man mehr als zehn Minuten zu Fuß hingeht. Das war eine richtige Entscheidung, das kann ich empfehlen.

Wie wollen Sie die Schule ums Eck Eltern schmackhaft machen?

Prinzipiell besteht Wahlmöglichkeit. Aber um die Frage zu beantworten, wichtig ist es, dass Eltern und Kinder Freude an ihrer Schule haben - ob in der Nachbarschaft oder weiter weg. Das wird dann gelingen, wenn man zeigt, was dort passiert.

Wäre die Aufhebung der Wahlfreiheit ein Mittel gegen Ghetto-Schulen?

Ghetto-Schulen gibt es keine, darauf lege ich Wert. Wenn die Schulwahl eine Wahl der kurzen Wege ist, ist es prinzipiell für die Kinder und das Schulsystem besser. Die Entscheidungsfreiheit einzuschränken, ist aber nicht mein Weg.

Verdient die Bildungsreform, die auf Bundesebene verabschiedet wurde, den Namen Reform?

Der Name ist gerechtfertigt. Für den Bund ist es ein großer Schritt, aus Wiener Sicht aber ein kleinerer, da wir viele Dinge schon machen.

Wie verstehen Sie sich mit Ihrem FPÖ-Vize Bernd Saurer?

Wir hatten ein professionelles wertschätzendes Gespräch am Telefon und ich habe ihn am Donnerstag auch persönlich kennengelernt.