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Schüssel hielt sich mit Prognosen zurück

Von Martyna Czarnowska

Politik

Im Gasthaus "Zum lustigen Radfahrer" sorgte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel mit seiner Stimmabgabe für heftiges Medieninteresse. Wenig begeistert zeigten sich davon andere WählerInnen.


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Der Kellner ist es schon gewohnt. Wenn Wolfgang Schüssel im Gasthaus seine Stimme abgibt, ist das Medieninteresse groß. Eigentlich störe ihn das kaum - "wenn das Wetter trocken ist". Auch die Gäste wissen, warum die zahlreichen in- und ausländischen Journalist-Innen sich vor dem Lokal und im Wahlraum versammelt haben. "Die warten auf den Schüssel", meint eine Frau. "Und wenn er reingeht, dann filmen sie wieder", ergänzt ein etwa zehnjähriger Bub.

Die Dreierrunde, die in Ruhe ihr kleines Gulasch und Würstel essen will, kommt nicht drumherum, über die Politik zu reden. "Hier hat es der Schüssel nicht schwer", stellt eine Frau fest: "Hietzing ist ja schwarz." Und fügt hinzu: "Gott sei dank." Sie habe sich die TV-Duelle angeschaut - aus politischem Interesse. "Und rhetorisch ist er ja wirklich gut."

Als Schüssel, gemeinsam mit Ehefrau Krista, leicht verspätet ankommt, ist er sofort umzingelt. "Die Kirche hat so lang gedauert", erklärt er mit einem Schmunzeln. Mit wachsendem Andrang steigt der Unmut der WählerInnen. Ein älterer Mann versucht sich seinen Weg durch die JournalistInnenmenge zu bannen. "So a Tamtam", schimpft er vor sich hin.

Gelassener zeigt sich Schüssel unmittelbar nach der Stimmabgabe. "Ich bin entspannt", meint er. "Was ich tun konnte, habe ich getan. Ich habe ein gutes Gefühl." Prognosen über den Wahlausgang will er nicht abgeben: "Ich bin kein Prophet." Allerdings erwartet er ein knappes Rennen, dessen Sieger erst in den Nachtstunden feststehen werde.

Weniger entspannen kann sich Schüssel, als er sich kurz danach mit einigen PrintjournalistInnen an einen Tisch im Gasthaus zurückziehen möchte. Bedrängt von Kamerateams und Fotografen, verliert er die Geduld, fordert die MedienvertreterInnen lautstark zum Verlassen des Raumes auf und schlägt einem Fotografen auf das Objektiv. Passiert ist nichts. Ein deutscher Fotograf kommentiert gelassen: "Beim Schröder habe ich einmal wirklich eine draufgekriegt."