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Schwacher Start ins letzte Drittel

Von Werner Michael Szabó

Wirtschaft

Der Wiener Aktienmarkt ist äußerst schlecht in das letzte Jahresdrittel gestartet. Nachdem er heuer über weite Strecken ein starkes Eigenleben bewiesen und sich besser entwickelt hatte als andere Börsen, scheint er nun zunehmend in den internationalen Abwärtssog zu geraten. Die ausgeprägte Baisse der wichtigsten Börsen hinterlässt somit auch in Wien ihre Spuren.


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Wie die abgelaufene Berichtssaison gezeigt hat, haben sich im 1. Halbjahr 2002 viele österreichische Unternehmen recht wacker geschlagen, die Aussichten sind allerdings von enormer Unsicherheit geprägt. International stellt die nicht in Schwung kommende Wirtschaft für die Unternehmen zunehmend ein Problem dar, weil damit auch die Gewinnentwicklung in Frage gestellt ist. Alles zusammen ist natürlich pures Gift für die Kurse. Zusätzliche Sorgen bereiten die möglichen militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Irak, wodurch der Rohölpreis von derzeit bereits rund 28 US-Dollar je Faß massiv in die Höhe getrieben werden könnte. Vor diesem sehr schwierigen Hintergrund ist es nicht verwunderlich, daß auch hierzulande die Aktienkurse abbröckelten. Vor dem Wochenschluß ist zwar an den internationalen Märkten etwas Ruhe eingekehrt, Wien hat aber den Abwärtstrend weiter fortgesetzt.

Der Leitindex ATX verlor in der ersten Septemberwoche 2,18% und schloß mit 1.109,49 Punkten. Der weiter gefaßte ATX Prime schwächte sich um 1,97% auf 581,98 Zähler ab und der den Gesamtmarkt repräsentierende WBI ging um 1,46% auf 461,85 Punkte zurück. Obwohl die Wiener Börse dem internationalen Abwärtstrend gefolgt ist, hat sie deutlich weniger verloren.

Im prime market stürzten Wolford um 21,7% ab, nachdem sie in der Vorwoche noch unter den größten Gewinnern war. Der Grund für diesen Rückgang ist die endgültige Eliminierung aus dem ATX per 23. September. Vor allem Fonds, die den ATX nachbilden, sind nun gezwungen, Wolford zu verkaufen, wodurch entsprechender Druck auf den Kurs ausgeübt wird. Wolford wird im ATX durch Semperit ersetzt, welche davon aber noch nicht profitieren konnte. Stärker verloren (-11,7%) und zumindest vorübergehend ein neues Jahrestief markiert haben SW Umwelttechnik, die aufgrund des zu geringen Streubesitzes vom prime market in den standard market continuous versetzt werden. Sehr schwach zeigten sich auch AUA (-9,3%), Flughafen Wien (-7,5%), CLC (-6,7%), Brau-Union (-6%), voestalpine (-5,9%), BWT (-5,6%) und BETandWIN.com (-5,5%). Deutlich tiefer notierten aber auch Telekom Austria, VA Tech und OMV. Unter den wenigen Gewinnern fielen vor allem die ATX-Werte Verbund (+6,5%) sowie BBAG (+2,5%) und Böhler-Uddeholm (+1,9%) positiv auf.

Bei den im standard market zu fortlaufenden Kursen notierten Werten sind CyberTron bei hohen Umsätzen zunächst auf das neues Jahrestief von 10 Cent (-37,5%) abgestürzt und gingen mit 11 Cent ins Wochenende. Lenzing schwächten sich um 2,3% ab, während sich bauMax leicht verbessern konnten. Bei den im selben Marktsegment notierten Titeln zu Einheitskursen standen wieder zwei extreme Kursausschläge auf der Tagesordnung. So kletterten stage1.cc um 53,3% sowie Vogel & Noot Vorzug um genau 50%. Allerdings sind beide Werte mit 0,46 bzw. 1,50 Euro noch immer äußerst niedrig bewertet. Ottakringer stiegen um 12,8%, während sich die Vorzüge der Schlumberger und der Caravelle um 17,9% bzw. 13% abgeschwächt haben.

Werner M. Szabó is Redakteur der Zeitschrift bankundbörse