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Schwarze Lizenz für Vorzugsstimmen

Von Walter Hämmerle

Europaarchiv

EU-Wahl: Bünde und Länder rennen um ÖVP-Mandate. | Keine Revolution à la FPÖ zu erwarten. | Wien. Seit Andreas Mölzers Coup bei der EU-Wahl 2004 schwingt im Begriff Vorzugsstimmenwahlkampf für Parteichefs etwas Bedrohliches mit: Damals kandidierte der FPÖ-Chefideologe nur auf Platz zwei der blauen Liste hinter Hans Kronberger. Mölzer führte einen Vorzugsstimmenwahlkampf - und schaffte prompt den Sprung auf Platz eins. Kronberger ging, da die Blauen nur ein Mandat schafften, leer aus.


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Auch Othmar Karas, Listen-Zweiter der ÖVP, wird bei der EU-Wahl am 7. Juni eine solche Kampagne führen. Allein die Nachricht führte zu Gerüchten, der erfahrene EU-Mandatar könnte sich für die Zurückreihung zugunsten des Polit-Rückkehrers Ernst Strasser revanchieren. Immerhin braucht es nur sieben Prozent der Stimmen für eine Partei, um an die Spitze vorzurücken.

Von einem Revancheakt kann jedoch keine Rede sein: Neben Karas führen auch die meisten anderen ÖVP-Kandidaten einen Vorzugsstimmenkampagne - mit dem Segen, aber ohne Geld der Bundespartei. So organisiert der Seniorenbund für seinen Kandidaten Heinz Becker eine solche, da dieser nur auf Platz acht rangiert. Zu vergeben sein werden aber nur sechs, höchstens sieben Mandate.

Auch der Bauernbund wirft sich für seine Kandidatin Elisabeth Köstinger in die Schlacht. Die Obfrau der steirischen Jungbauern kandidiert auf Platz sechs. Nachdem aber den Bauern intern als einzigen zugetraut wird, die Hürde zu meistern - 2004 waren das ca. 60.000 Stimmen - fürchten nun besser Gereihte um ihr scheinbar sicheres Mandat. Etwa der Oberösterreicher Paul Rübig auf Platz fünf. Weshalb auch er mit Hilfe seiner Landespartei um Vorzugsstimmen rittert.

Wenn aber alle um Vorzugsstimmen kämpfen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es keiner schafft. Womit die innerparteiliche Ruhe wieder hergestellt und das eigentliche Ziel - die Stimmenmaximierung - erreicht wäre.