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Schwarzes Gold der Nordsee schwindet

Von Sylvie Maier-Kubala

Wirtschaft
Funde werden seltener: Dong-Ölplattform Siri. Foto: Dong

Dänemark: Ende der Energieautarkie? | Öl- und Gas sichern bislang den Wohlfahrtsstaat. | Kopenhagen/Wien. Dänemarks jahrelanger Status als Energieselbstversorger ist in Gefahr. Laut dänischer Energiebehörde ist die Produktion in der Nordsee "stark abnehmend". Somit könnte Dänemark bereits 2018 auf den Import von Öl, 2020 auf jenen von Erdgas angewiesen sein. "Wir sind ganz sicher, dass die Hoffnung auf weitere große Funde in der Nordsee vergebens ist, denn sonst hätten wir diese bereits gefunden. Erfolglose Suchbohrungen nach Öl und Gas nehmen leider zu", sagt Anders Eldrup, Direktor des staatlichen Energiekonzerns Dong Energy. Gegenüber der Zeitung "Politiken"


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meinte er: "In unserer Branche bedeutet 2018 so viel wie morgen."

Wohlstand dank Nordsee-Einnahmen

Seit den 90er-Jahren ist Dänemark nicht mehr auf Energieimporte angewiesen und als einziges EU-Land Nettoexporteur von Öl und Erdgas. Aber seit fünf Jahren ist die Produktion von fossilen Brennstoffen in der Nordsee zurückgegangen, allein im letzten Jahr sank sie um sieben Prozent.

Auch wenn die Energiebehörde davon ausgeht, dass das Land den Selbstversorgerstatus doch noch länger aufrecht erhalten kann - etwa durch innovative Fördertechnologien -, so sind langfristige Auswirkungen auf den Staatshaushalt unbestritten. Allein im vergangenen Jahr floss durch Steuern und Abgaben der Öl- und Gasindustrie die Rekordsumme von fast 36 Mrd. Kronen (4,8 Mrd. Euro) in die Staatskasse.

Mutieren diese Einnahmen zu Ausgaben, steht das Land vor einem ernsthaften wirtschaftlichen Problem, sagt Peter Birch Sørensen, Ökonomieprofessor an der Kopenhagener Universität. Seit Juli 2008 ist der Ölpreis markant gefallen, das Finanzministerium rechnet in den kommenden drei Jahren daher mit Einnahmen von nur noch 20 Mrd. Kronen jährlich (bei einem Ölpreis von 60 Dollar pro Fass).

Dänemark: 2050 ganz ohne fossile Energie

Als Vorsitzender des Ökonomischen Rats hätte sich Sørensen gewünscht, die Nordsee-Einnahmen wären in einen Fonds geflossen - insbesondere in Hinblick auf die Finanzkrise: "Wäre das Geld zur Seite gelegt worden, hätten wir ein realistischeres Bild vom Budgetüberschuss gehabt. So wäre es vielleicht nicht zu solchen Budgetüberschreitungen gekommen, oder es wären während des Aufschwungs der vergangenen Jahre weniger nicht finanzierte Steuererleichterungen beschlossen worden. Der Ausgangspunkt für die Bekämpfung der Krise wäre besser gewesen."

Die begrenzten Mengen von Öl und eine stark steigende Nachfrage sind ein weltweites Problem. Die internationale Energieagentur (IEA) warnte davor, dass die Reserven des schwarzen Goldes schneller schwinden als erwartet. "Was wir brauchen, ist nichts weniger als eine Energierevolution", hieß es seitens der IEA.

Dong-Direktor Eldrup teilt die Auffassung. Selbst ohne Klimawandel sei die Welt gezwungen, auf andere Energieformen umzusteigen. "Wir müssen uns auf die riesengroße Veränderung einstellen, die auf uns zukommt, wenn es kein Öl mehr gibt."

Klima- und Energieministerin Connie Hedegaard hat betont, Dänemark früher als geplant unabhängig von fossilen Brennstoffen machen zu wollen. 2050 soll das Land zu 100 Prozent ohne Erdöl, -gas oder Kohle auskommen. Die Regierung hat eine Klimakommission einberufen, die Ende 2010 Ergebnisse vorlegen soll.