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Schwechat wird Kunststoff-Zentrum

Von Helmut Dité

Wirtschaft
400 Millionen Euro investierten OMV und Borealis in Schwechat - im Bild die neue Polymeranlage. Foto: Borealis

Investition von je 200 Millionen Euro in Raffinerie und Kunststoffproduktion. | Kapazität nun zwei Millionen Tonnen. | Wien. Die Septembersonne über Wien und Gerhard Roiss strahlten um die Wette - der OMV-Vizegeneral und Borealis-Aufsichtsratsvorsitzende gewann: Mit mehr als 1000 Kunden, Wissenschaftern, Politikern, Bankern, Journalisten Lieferanten und Mitarbeitern aus aller Welt feierte der Kunstoffkonzern Borealis - zu 35 Prozent im Besitz des heimischen Energieriesen OMV, zu 65 Prozent dem strategischen OMV-Aktionär IPIC aus Abu Dhabi gehörend - am Donnerstag in Schwechat offiziell die Inbetriebnahme von 400 Millionen Euro teuren neuen Anlagen, die aus der niederösterreichischen Stadt einen der größten Kunststoff-Produktionsstandorte Europas machen.


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Im einzelnen sorgen dafür eine neue Polyethylen-Anlage mit einer Kapazität von 350.000 Tonnen im Jahr, die Erweiterung der Polypropylen-Anlage auf 300.000 Jahrestonnen und die Erweiterung des benachbarten OMV-Crackers für die petrochemischen Basisprodukte von 650.000 auf 900.000 Tonnen.

Öl als Rohstoff statt "nur" als Brennstoff

"Damit steigern wir die Nachhaltigkeit unseres Geschäftes", betonte Roiss - der Anteil des Rohöls, der in der Raffinerie Schwechat nicht mehr nur zu Brenn- und Treibstoffen, sondern zum Rohstoff für hochwertige Kunststoffprodukte verarbeitet werde, steige auf bis zu 14 Prozent.

Wie hoch die Synergien zwischen Raffineur und Petrochemie sind, zeigt Roiss so: Europaweit sei durch den zunehmenden Dieselverbrauch ein Überschuss an Benzin zu bemerken, Tendenz steigend. Diese "Überschüsse", zu Kunststoffen verarbeitet, stoßen etwa im Rohrleitungsbereich auf einen "gewaltigen Markt" - in dem Borealis Weltmarktführer ist.

Großer Bedarf an

Wasserleitungsrohren

1,2 Milliarden Menschen sind nicht mit sauberem Wasser versorgt, rechnet Boralis-Chef John Taylor vor. Und nicht nur in den Entwicklungsländern müssten Leitungen gebaut und bestehende marode Betonleitungen durch Kunststoffrohre ausgetauscht werden, auch in seiner Heimatstadt London sehe es düster aus: 40 Prozent des Wassers gingen dort durch Lecks verloren.

Headquarter in Wien, Forschung in Linz

Borealis - der Konzern beschäftigt weltweit 4500 Mitarbeiter, davon mehr als 750 in Österreich - hat nach der Übernahme durch OMV und IPIC den Hauptsitz von Kopenhagen heuer im Sommer nach Wien verlegt, das Forschungszentrum ist in Linz angesiedelt. Ein bis 2009 in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu errichtendes weiteres "Innovation Center" soll ebenfalls eng mit den Universitäten Linz und Leoben zusammenarbeiten. Geht es nach dem stellvertretenden Forschungsleiter Wim Roels, dann haben Europa und die USA einen kräftigen Nachholbedarf bei Akademikern in den Bereichen Chemie und Plastik. Die Qualität der Ausbildung sei in Ordnung, doch die wenigen Technikstudenten würden dann auch noch lieber Studienrichtungen wie Elektro- und Kommunikationstechnik wählen, so Roels. Borealis steigerte 2005 den Nettogewinn um 11 Prozent auf 226 Mio. Euro. Der Umsatz erhöhte sich auf 4,814 (4,628) Mrd. Euro. Das Ergebnis (Ebit) ging auf 236 (278) Mio. Euro zurück. Die Kunststoffindustrie sei 2005 von hohen Öl- und Rohstoffpreisen, sprunghaften Margen, geringerer Nachfrage in Europa und den schweren Hurrikans im Golf von Mexiko gekennzeichnet gewesen, hieß es bei Bekanntgabe der Geschäftszahlen. Für 2006 werden deutliche Zuwächse erwartet.

Börsengang in fünf bis sechs Jahren

An einen Börsengang der Borealis sei frühestens "2011 oder 2012" zu denken, kündigte Roiss am Donnerstag an. Ebensowenig wie der genaue Zeitpunkt - der hänge nicht zuletzt von der Marktentwicklung ab, die in der Kunststoffbranche sehr schwankend sei, sei ein Börseplatz entschieden.

Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen von Borouge, einem Joint Venture von Borealis mit der Abu Dhabi National Oil Company in Rubais insgesamt rund 3 Milliarden Dollar in die Kunstoffproduktion investiert werden. So sollen von dem Emirat aus vor allem der Mittlere Osten und der asiatisch-pazifische Raum verstärkt mit Produkten von Borealis versorgt werden.