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Wer keine Konsequenzen fürchten muss, kann ungeniert hohe Risiken eingehen - und zwar zulasten anderer. In der Wirtschaftswelt kennt man dieses Prinzip unter der Bezeichnung "moral hazard", was bedeutet, dass jemand der Verführung nachgibt, auf unmoralische Weise Profit zu machen.
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Traurige Berühmtheit erlangte der Begriff im Rahmen der internationalen Finanzkrise: Besonders jene Banken hatten sich massiv verzockt, die zu groß und bedeutend waren, als dass sie von ihren jeweiligen Heimatstaaten einfach in die Pleite geschickt werden konnten.
Viele Experten haben damals angesichts der Staatshilfen aufgeschrien und davor gewarnt, dass das Sicherheitsnetz auf Kosten der Steuerzahler bei den handelnden Personen nur den Eindruck verstärkt, sie könnten sich ohnehin alles erlauben. Nun, diese Kritiker sollten nicht mehr nur auf die Bankenwelt schauen, sondern auch einen kurzen Blick auf Europas Bauernhöfe riskieren - genauer gesagt: in deren Schweineställe.
Die Lebensmittelindustrie eines so entwickelten Staates wie Deutschland ist Schauplatz eines unglaublichen Skandals: Über viele Monate hinweg wurden Tiere in großem Stil mit Futter gemästet, das mit krebserregendem, aus Industriefett stammendem Dioxin verseucht war. Die logische Konsequenz: Nachdem das bekannt geworden war, ließen die Konsumenten Schweinefleisch in den Supermarktregalen liegen, angesichts der mangelnden Nachfrage rasselten die Preise in den Keller.
Wie reagiert nun die EU darauf? Sie schüttet - als erste konkrete Maßnahme - viele zusätzliche Fördermillionen an Landwirte aus, damit diese ihr nicht verkauftes Schweinefleisch so lange lagern können, bis Gras über die Sache gewachsen und der Fleischpreis wieder gestiegen ist. Das mildert - zugegebenermaßen - den wirtschaftlichen Druck auf nicht direkt betroffene Betriebe, entlässt die gesamte Branche - inklusive Futtermittelerzeuger, Weiterverarbeiter und Handel - jedoch gleichzeitig aus der existenziellen Notwendigkeit einer rigiden Selbstkontrolle. Letztere würde natürlich Kosten erhöhen und Gewinne schmälern. Also: Schwein gehabt.

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