Zum Hauptinhalt springen

Schweine als Verlustgeschäft

Von Rainald Edel

Wirtschaft

Harter Euro behindert Fleisch-Export. | Bauern hoffen auf die Fußball-EM. | Wien. Schweinefleisch ist im Großhandel derzeit billig wie schon lange nicht. Der Grund: EU-weit gibt es ein Überangebot, da der starke Euro die EU-Fleischexporte von bisher rund 1,3 Mio. Tonnen pro Jahr deutlich bremst.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 16 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Dadurch würden exportorientierte Produktionsländer wie Dänemark, die Niederlande oder Deutschland ihre am Weltmarkt nicht verkäufliche Kontingente in den ohnehin schon gesättigten EU-Markt drücken, schildert Adolf Marksteiner, Experte für tierische Erzeugnisse in der Landwirtschaftskammer. Zudem würden durch den billigen Dollar Importe in die EU (vor allem für die Wursterzeugung) lohnender. Hier erwartet die Kammer rasch entsprechende Maßnahmen von der Europäischen Kommission.

"Das mit rund einjähriger Verspätung eingetretene Preistief unterschreitet die übliche Talsohle eines Schweinezyklus-Tiefs um mehr als ein Viertel", erklärte Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Wlodkowski am Dienstag in einer Presseaussendung.

Mais-Preis verdoppelt

Nicht nur die schwierige Situation auf den Absatzmärken sondern auch die innerhalb eines Jahres um 30 bis 100 Prozent teureren Futtermittel machen den Bauern zu schaffen. So habe sich beispielsweise der Preise für Mais innerhalb eines Jahres verdoppelt.

Als Ursache für den rapiden Preisanstieg bei Getreide und Soja nennt Marksteiner die Verknappung des weltweiten Angebots durch Missernten und den Aufkauf der Agrar-Überschüsse für die Ethanolproduktion in Nordamerika. "Viele heimische Mastbetriebe würden ernsthaft überlegen, aus der Produktion auszusteigen und ihre Futtermittel als Rohstoff zu verkaufen, da sich die Mast nicht rechnet", ist aus der burgenländischen Landwirtschaftskammer zu hören. Für ein schlachtreifes Schwein erhalten die heimischen Landwirte derzeit rund 120 Euro. Die eingesetzten Kosten für die Zucht würden aber rund 140 Euro betragen.

Besserung im Frühjahr

Die Kammer appelliert aber an ihre Mitglieder, nicht das Handtuch zu werfen, sondern zu investieren, um von der erwarteten Marktberuhigung zu profitieren. "Aus heutiger Sicht ist spätestens im Frühjahr 2008 der Schweinepreis in Österreich wieder auf zufriedenstellendem Niveau. Die Gründe für einen guten Schweinemarkt 2008 liegen einerseits in den rund zwei Millionen zusätzlichen Nächtigungen, die durch die Fußball-EM zu erwarten sind, und andererseits in den derzeit zu beobachtenden vermehrten Schlachtungen bei Zuchtsauen", so Wlodkowski. Von der EU verlangt die Kammer eine Verlängerung der Ende Oktober beschlossenen und derzeit zeitlich befristeten privaten Lagerhaltung bei Schweinefleisch. Eine weitere Forderung zielt angesichts des Euro-Hochs auf eine Exporterstattungen zur Unterstützung der Schweinefleisch-Ausfuhren ab.