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Schweinegrippe: Impfungen haben begonnen

Von WZ Online

Wissen
H1N1 A unter dem Elektronenmikroskop.
© Centers for Disease Control and Prevention

Pandemie-Welle im Jänner erwartet | Die Impfungen des Gesundheitspersonals gegen Schweinegrippe haben am Dienstag in ganz Österreich begonnen.


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Der Schutz, der sich etwa ein bis drei Wochen nach der Injizierung von Celvapan aufbaue, sei im Sinne der sozialen Verantwortung besonders für Mediziner wichtig, sagte der Wiener Infektiologe Christoph Wenisch. "Ich wurde noch nie krank. Aber ich muss mich gegen die Grippe impfen lassen, damit ich sie nicht übertrage. Das Schlimmste, was einem als Arzt passieren kann, ist es, einen Patienten noch kränker zu machen." Bezüglich der Nebenwirkungen des "gut getesten" Baxter-Impfstoffes habe er keine Bedenken: "Man muss immer die potenziellen Nebenwirkungen dem Nutzen gegenüberstellen."

Pandemie im Jänner erwartet

"Wir sind in einem guten Zeitplan", betonte der Infektiologe. Eine Pandemie-Welle werde im Jänner erwartet, es bleibe genug Zeit für Prävention. Dass ein Teil der Bevölkerung eine Impfung derzeit noch scheuen, könne er gut verstehen. "Es ist eine neue Behandlung, das ist zutiefst menschlich", meinte Wenisch. Viele würden einmal abwarten, wie es den Ärzten gehe.

Im Kaiser-Franz-Josef-Spital immunisiert die zuständige Arbeitsmedizinerin das Personal in Zehnergruppen nach telefonischer Vereinbarung. Es sind zwei Teilimpfungen im Abstand von drei Wochen notwendig. Ein Termin ist notwendig, da die Vakzine keine Konservierungsstoffe enthält und eine geöffnete Flasche nur drei Stunden haltbar ist.

Elfjährige weiterhin in Gefahr

Der Zustand der elfjährigen Südtirolerin, die am H1N1-Virus erkrankt ist und in Innsbruck behandelt wird, ist "weiterhin unverändert kritisch". Sie sei "nicht über dem Berg", hieß es am Dienstag von der Universitätsklinik.

Die Patientin aus Bozen bleibe wegen des Lungenversagens bis auf weiteres an die Herz-Lungen-Maschine (ECMO) angeschlossen. Ihr Zustand könne dadurch stabilisiert werden, sei aber laut Medizinern "äußerst ernst". Sie werde mit Antibiotika behandelt, es handle sich um eine "langwierige Sache".

Die Elfjährige wird weiterhin von einem interdisziplinären Team von Spezialisten auf der Intensivstation des Kinderzentrums am Landeskrankenhaus Innsbruck betreut.

Nicht kommentieren wollte man in Innsbruck, dass die Boznerin an einer bakteriellen "Superinfektion" leide. Diese Vermutung hatte der Wiener Infektiologe Christoph Wenisch vom Kaiser-Franz-Josef-Spital am Dienstag am Rande einer Pressekonferenz in Wien geäußert. Ausgegangen werde von einer Staphylokokken-Superinfektion, meinte Wenisch nach einem Telefonat mit den Ärzten der Elfjährigen. Eine endgültige Diagnose stehe noch nicht fest, die Vermutung sei allerdings naheliegend. Durch die Aktivierung beim Kampf gegen das H1N1-Virus werde das Immunsystem geschwächt, erklärte der Mediziner, der im April den ersten österreichischen Schweinegrippe-Fall behandelte. "Dadurch wird die Schleimhaut anfälliger für Bakterien." Als Begleiterscheinung könnte als Folge leichter ein zweiter Infektionsherd auftreten.

Das Problematische laut Wenisch: "Dann hat man zwei Kriegsschauplätze für das Immunsystem." Hinzu komme, dass gegen eine Virus-Erkrankung eine andere Abwehr als gegen Bakterien notwendig sei. "Eine virale Anti-Immunreaktion schwächt jene gegen Bakterien", betonte Wenisch.

"Das ist das, was wirklich gefürchtet ist", betonte der Infektiologe im Hinblick auf die derzeit in Österreich unauffällige neue A(H1N1)-Influenza. "Die Grippe an sich bringt ja niemanden um. Man sagt salopp: Wenn einen die Grippe erwischt, bringt einen die bakterielle Superinfektion um." Dementsprechend seien bei jungen Schweinegrippe-Patienten Begleiterscheinungen im Sinne von Bakterien-Infektionen die Haupt-Todesursache. Ältere Personen und chronisch Kranke mit schwachem Herz-Kreislaufsystem würden auch an anderen Ursachen sterben.

Klasse an Grippe erkrankt

An der neuen Grippe-Influenza A H1N1 sind offenbar in Osttirol 26 Schüler erkrankt. Dies teilte die Landessanitätsdirektion am Dienstag zu Mittag mit. Betroffen ist die Landwirtschaftliche Lehranstalt in Lienz. Ob eine Schließung der Schule nötig ist, werde "derzeit geprüft", hieß es. (APA)