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Der Finanzplatz Schweiz muss sich neu definieren. | Bern/Wien. In der Schweiz werden Schätzungen zufolge bis zu einem Drittel aller grenzüberschreitenden Privatvermögen verwaltet. Die eidgenössische Wirtschaft ist massiv von ihren Banken abhängig: Zwar hat sich die Zahl der Institute in den letzten 20 Jahren von 625 auf 327 fast halbiert. Zugleich sind die Banken aber auf gut dreifache Größe gewachsen; ihre Bilanzsumme ist heute sechsmal so hoch wie die Wirtschaftsleistung des Landes (siehe Tabelle).
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Viele Faktoren haben dem Finanzplatz zu dieser Größe verholfen. Die Schweiz verfügt kaum über industrielle Rohstoffe, sie profilierte sich früh mit Produkten von hoher Wertschöpfung und als Finanzdienstleister. Der föderalistische Aufbau des Landes und die hohe Sparquote begünstigten eine hohe Bankendichte.
Und nicht zuletzt wurde in großem Stil ausländisches Vermögen aufgesaugt: Da die Schweiz beide Weltkriegen unbeschadet überstanden hatte, profitierte sie von "Fluchtgeld". Politische Stabilität und die solide Währung sicherten das Vertrauen der Anleger; die Schweiz konnte sich als "Zinsinsel" mit langfristig tieferen Realzinsen als in den Nachbarländern etablieren. Der kantonale Steuerwettbewerb, die geringe Belastung für ausländische Unternehmen, das Bankgeheimnis und der (bis vor kurzem unangefochtene) Status der Banken trugen ebenfalls dazu bei.
Diese Wechselwirkung ist nun bedroht. Das Schweizer Bankgeheimnis ist einem Zangenangriff ausgesetzt: Deutschland und Frankreich nötigen den Eidgenossen - unterstützt durch die OECD - durch politischen Druck Zugeständnisse ab, zugleich ziehen US-Justiz und Steuerbehörden die Schrauben an.
Depots ausgeräumt
Nicht zuletzt haben Banken wie die UBS mit ihren Spekulationsverlusten selbst das Vertrauen der Anleger verspielt. Die Krise reißt Löcher in die Schweizer Depots - durch Kursverluste und Geldabflüsse von verunsicherten Anlegern. Ende 2007 hatten sich die Vermögenswerte in den Kundendepots auf 5,2 Billionen Franken belaufen. Im Mai 2009 waren nur 3,9 Billionen übrig - der tiefste Stand seit 2005.

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