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Schwere Erreichbarkeit als gewollte Besucherbremse

Von Mathias Ziegler

Politik

Ab 2030 gibt es nur noch sieben KAV-Spitäler, nur zwei liegen direkt an der U-Bahn. Wäre die Abstimmung zwischen Ambulanzen und Fachärzten besser, wäre Abgelegenheit sogar positiv.


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Wien. Sieben von elf Spitälern im Krankenanstaltenverbund (KAV) bleiben laut Masterplan 2030 übrig, wie die "Wiener Zeitung" bereits berichtet hat. Abgesehen von der immer wieder geäußerten Kritik an zum Teil veralteter Pavillon-Architektur fällt auch die Prognose, was die Erreichbarkeit mit den Öffis betrifft, durchwachsen aus. Das AKH liegt schon seit den 1980er Jahren direkt an der U6 und soll ab Mitte der 2020er auch noch an die geplante U5 angebunden werden. Und seit 2008 muss man quasi nur einmal umfallen, um von der U2-Station ins Donauspital (SMZ Ost) zu kommen.

Die Anbindung der anderen vier bestehenden Krankenhäuser ans höherrangige öffentliche Verkehrsnetz ist hingegen suboptimal oder gar nicht vorhanden: Zum Wilhelminenspital ist es laut Fahrplanauskunft der Wiener Linien von der U3 immer noch eine Viertelstunde zu Fuß, und selbst von der nähesten Straßenbahnstation sind es ein paar Minuten. Zur Rudolfstiftung geht man von der S-Bahn eine Viertelstunde oder braucht noch einen Bus.

Das Krankenhaus Hietzing ist überhaupt fern jeder U-Bahn und von der S-Bahn aus nur via Straßenbahn sinnvoll zu erreichen. Auch das Kaiser-Franz-Josef-Spital (SMZ Süd) ist derzeit eher abgelegen. Zwar ist eine weitere Verlängerung der U2 über den Matzleinsdorfer Platz hinaus geplant, laut den aktuellen Plänen dürfte aber keine direkte Anbindung des SMZ Süd vorgesehen sein.

Das noch in Bau befindliche Krankenhaus Nord (KH Nord), das 2017 in Betrieb gehen soll, liegt ebenfalls an keiner U-Bahn, zumindest aber direkt an der Schnellbahn - wenn auch eine Station nördlich von Floridsdorf, also außerhalb der sogenannten Stammstrecke, auf der die Intervalle dichter sind. Immerhin erneuern die ÖBB die S3-Station Brünner Straße beim künftigen KH Nord. "Und sie wird einen Zugang direkt zum Spital haben, außerdem sollen die Schnellbahn-Intervalle verkürzt werden", erklärt KAV-Sprecherin Nina Kauer.

2030 dürften also nur drei der sieben verbleibenden KAV-Spitäler direkt an der U-Bahn oder Schnellbahn liegen. "Vom Gerechtigkeitsaspekt her ist das eigentlich kein Problem. Wenn Sie in Mistelbach wohnen, haben Sie ja auch keine U-Bahn zum nächsten Spital", meint der Gesundheitsökonom Ernest G. Pichlbauer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Von der Versorgungswissenschaft her wäre es problematisch, wenn nur ein Krankenhaus öffentlicht leicht erreichbar wäre, wie es bis zur U2-Verlängerung zum Donauspital in Wien jahrzehntelang nur das AKH war.

"Nicht mit Schnupfen indie Universitätsklinik"

Insofern hätte Pichlbauer, der schon vor mehr als einem Jahrzehnt in die Planungen für das neue Spital involviert war, einen U-Bahn-Anschluss für das Krankenhaus Nord sinnvoll gefunden. "Aber es ist auch nicht das große Drama. Die Verteilung der Spitäler ist so, dass sich im Ernstfall jeder Wiener ein Taxi leisten kann - und wir wissen ja auch, wie gerne hier auch für Lappalien die Rettung gerufen wird. Vom Transport her sehe ich hier also keine Probleme."

Im Gegenteil meint der Gesundheitsökonom sogar: "Gäbe es zwischen dem niedergelassenen Bereich und den Spitälern eine bessere Abstimmung, wäre es sogar gescheiter, überhaupt keinen U-Bahn-Anschluss zur Verfügung zu haben, um die Eintrittsschwelle eher hoch als niedrig zu halten. Damit die Leute nicht mit einem Schnupfen in die Universitätsklinik kommen." Nur vermisst Pichbauer eben in Wien besagte bessere Abstimmung zwischen Spitälern und Fachärzten.

Seinem Gefühl nach spielt das Thema Erreichbarkeit bei der Standortfrage der Wiener Krankenhäuser keine große Rolle. "Da ist man eher traditionell, oder es geht um irgendein anderes politisches Interesse, etwa das Vorhandensein eines politisch korrekten Grundstücks wie beim KH Nord." Letzteres hätte er selbst lieber auf dem Standort des Heeresspitals gesehen. "Aber wo das neue Krankenhaus hinkommt, war dann ein endlos langer politischer Deal, bis schließlich die ÖBB-Gründe genommen wurden."

KH Nord wird wohl weite Teile des Weinviertels mitversorgen

Positiv sieht der Gesundheitsökonom, dass das KH Nord statt ursprünglich 400 geplanter Betten nun 800 bekommt, woran er freilich selbst auch Anteil hatte. "Denn das Gebiet rundherum ist eine Wachstumsregion." Konsequenterweise wird wohl das KH Nord künftig auch sehr große Teile des Weinviertels mitversorgen. Schneidet sich die Stadt Wien da nicht ins eigene Fleisch, wenn hier Niederösterreicher behandelt werden? "Nein, weil das im Zuge des Finanzausgleichs wieder hereinkommt, wenn man entsprechend geschickt verhandelt", sagt Pichlbauer. Ob es ein Geschäft oder kein Geschäft für die Stadt Wien wird, kann und will er aber nicht bewerten, "weil das ganze Finanzierungssystem so intransparent ist". Er erwartet aber durch das KH Nord jedenfalls einen gewaltigen Beschäftigungsimpuls für diese Region Wiens.

U-Bahn brachte SMZ Ost nicht signifikant mehr Patienten

Und wie sehen die Spitäler selbst ihre Lage? "Aus unserer Sicht sind die Spitäler gut erreichbar", meint KAV-Sprecherin Kauer. Eine Sprecherin des SMZ Süd gibt allerdings auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" unumwunden zu, dass die öffentliche Anbindung eher schlecht ist. Natürlich würde man sich später eine U2-Station in unmittelbarer Nähe wünschen.

Ob dies tatsächlich auch mehr Patienten und Besucher bedeuten würde, ist allerdings fraglich. Aus der Direktion des SMZ Ost heißt es dazu nämlich, dass die U2-Anbindung hier keine signifikante Veränderung gezeitigt habe. Ein Effekt auf die Ambulanzen durch die bessere öffentliche Erreichbarkeit sei ausgeblieben.