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Schwitzen ohne Ende

Von Sophia Freynschlag

Wirtschaft
Persönliche Betreuung optimiert das Training , kostet aber oft extra.
© fotolia/foto ARts

Große Unterschiede bei Mitgliedsbeitrag: zwischen 182 und 1393 Euro pro Jahr.


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Wien. Um die überschüssigen Kilos nach den Feiertagen wieder abzutrainieren, nehmen sich viele Österreicher vor, sich im neuen Jahr mehr zu bewegen. Neben den hierzulande rund 500 Fitnessstudios stehen Bewegungshungrigen auch Online-Fitnessangebote zur Verfügung. Das Sporteln zuhause vor dem Bildschirm erscheint praktisch: Es erspart An- und Abfahrt zum Fitnesscenter und ist unabhängig von Öffnungszeiten. Im Gegensatz zum Ergometer, das nach anfänglicher Euphorie oft nur mehr als Kleiderablage genutzt wird, hoffen viele auf zusätzliche Motivation durch abwechslungsreiche Kurse.

Neben kostenlosen Fitness-Videos zum Mitmachen auf Youtube ist mittlerweile auch das Angebot an kostenpflichtigen Studios im Internet beachtlich - es reicht von Pur-life über Gymondo und New Moove bis zu Mytraining.de. Die Kurse können - je nach Plattform - "on demand" abgerufen oder live gestreamt werden, auch individuelle Trainingspläne vom Personal Coach und Ernährungsberatung sind möglich. Die Anbieter locken mit einer Gratis-Testzeit, danach wird nach besuchtem Kurs oder ein Fixbetrag pro Monat bezahlt. Der Mitgliedsbeitrag beginnt - bei längerer Bindung - bei 9,90 Euro.

Internet-Fitnessabos verlängern sich automatisch

Hat ein Nutzer genug von den Internet-Kursen wie Bauch-Bein-Po, Fat Burning und Pilates, sollte er rechtzeitig kündigen. Beim deutschen Online-Fitnessstudio Gymondo wird die Mitgliedschaft beispielsweise kostenpflichtig, wenn der Nutzer nicht während des Testzeitraumes kündigt. Halbjahres- und Ganzjahresabos müssen im Voraus bezahlt werden. Die Mindestvertragslaufzeit wird automatisch verlängert, wenn nicht rechtzeitig gekündigt wird, wie etwa in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Fitness-Internetplattform NewMoove zu lesen ist. "Der Anbieter muss den Kunden aber zu einer angemessenen Zeit vor Fristablauf informieren, dass Stillschweigen zu einer Verlängerung führt", sagt Renate Wagner vom VKI. Eine Pause während einer laufenden Mitgliedschaft ist laut dem Kleingedruckten nicht möglich. Experten warnen allerdings generell, dass beim Training zuhause eine falsche Übungsausführung gesundheitliche Folgen haben kann.

Billigketten sorgen

für Preisschlacht

Dass Online-Angebote sowie Sportspiele auf Konsolen wie Wii und Playstation zur ernsthaften Konkurrenz für Fitnesscenter werden, erwartet Andreas Kreutzer, Geschäftsführer des Marktanalysten Kreutzer Fischer & Partner, nicht. Doch auch in stationären Fitnessstudios trifft man auf virtuelle Trainer, die über eine Video-Leinwand Übungen vorzeigen: Der Fitness-Diskonter McFit hat dieses Cybertraining von 6 bis 24 Uhr im Programm.

Ein Ende der Preisschlacht unter Fitnesscentern scheint nicht in Sicht, wie ein Branchenradar von Kreutzer Fischer & Partner ergeben hat. Die Schere zwischen Diskontanbietern (wie FitInn und McFit) und dem Premium-Segment (Manhattan, John Harris) geht immer weiter auseinander. Das schlägt sich in den Preisen nieder: Der Jahresumsatz pro Mitglied beträgt laut Erhebung zwischen 182 und 1393 Euro. Der Umsatz der Fitnessstudios sinkt seit Jahren, obwohl die Zahl der Mitglieder auf zuletzt 489.000 gewachsen ist.

Fitnessstudios spezialisieren sich zunehmend, beobachtet Kreutzer: "Ein Problem bekommen mittelpreisige Anbieter, die Kraft- und Konditionstraining für Männer und Frauen anbieten. Diese haben weder das Image von Premium-Fitnessstudios noch die Preisstruktur von günstigeren Konkurrenten." Besonders im urbanen Bereich werde es für Fitnesscenter eng, das treffe auch Anbieter wie den Wiener Club Danube. Während Umsatz-Marktführer Injoy auf gesundheitsorientiertes Muskeltraining setzt, bietet Mrs. Sporty 30-minütige Übungseinheiten, und Kieser fokussiert sich auf Krafttraining.

Vertragsklauseln vorab genau prüfen

Konsumentenschützer raten, vor Vertragsabschluss ein unverbindliches Schnuppertraining zu vereinbaren. "Beim Erstbesuch sollte man sich nicht zu einem Jahresvertrag überreden lassen, sondern sich diesen Vertragsabschluss gut überlegen. Bei vielen ist es mit der Motivation im Sommer vorbei, und der Vertrag läuft weiter", sagt Eva Schreiber von der Arbeiterkammer Burgenland. Wegen eines Preisnachlasses in Höhe von 30 bis 50 Euro werden häufig gleich langfristige teure Verträge abgeschlossen. Es passiere immer wieder, dass Konsumenten beim ersten Besuch glauben, sie unterschreiben eine Versicherungserklärung, doch in Wahrheit ist es ein Jahresvertrag. Wer im Fitnessstudio unterschreibt, hat kein Rücktrittsrecht, betont Schreiber. Eine Kopie des Vertrags sollte man mitnehmen.

Ein Ausstieg vor der Mindestlaufzeit oder eine Stilllegung des Vertrags wegen Umzug, Krankheit oder Zahlungsschwierigkeiten ist oft nicht vorgesehen - außer, das Unternehmen bietet eine Kulanzlösung an. Vereinbarungen wie eine Vertragsauflösung bei Wohnortwechsel oder Erkrankung sollte man daher unbedingt schriftlich im Vertrag festhalten. "Sonst kommt es oft zu furchtbaren Streitereien", sagt Schreiber.

Besonders aufpassen heißt es bei den Kündigungsklauseln, die häufig für Probleme sorgen. Eine Vertragsbindung von 24 oder 36 Monaten ohne Kündigungsmöglichkeit sei unangemessen lange und stelle damit einen Verstoß gegen das Konsumentenschutzgesetz dar, wie der Oberste Gerichtshof (OGH) bestätigt hat. Selbst ein Preisvorteil, etwa niedrigere Mitgliedsbeiträge, rechtfertigen diese lange Bindungsdauer laut Höchstgericht nicht.