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Seherenttäuschung

Von Peter Bochskanl

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Zum Teil recht aufgeregt und wegen der Versuche gegenseitigen Niederredens phasenweise auch akustisch unverständlich war am Sonntagabend die Diskussion "im Zentrum" zur Frage "Freiwillige vor - Wer wird Sozialdienst leisten?" Wirkliches Material zur Meinungsbildung der Zuseher hat sie aber wohl kaum geliefert. Denn außer dem Vertreter des Roten Kreuzes und einem Jugendforscher echauffierten sich wieder nur - wenn auch diesmal jüngere - Parteienvertreter, um meist schon bekannte Standpunkte abzusetzen.


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Michael Häupl hat knapp vor der Wiener Wahl mit seiner überraschenden Forderung nach Abschaffung der Wehrpflicht die SPÖ in Geiselhaft genommen. Die hat aus der Not eine Tugend und den Totalschwenk ihrer bisherigen Bundesheer- und Zivildienstpolitik zum koalitionären Profilierungsthema gemacht. Und damit die ÖVP zur Kehrtwendung von einer Befürworterin zu einer Gegnerin eines Berufsheeres veranlasst.

So vermittelte auch die Diskussion am Sonntag auf weite Strecken den Eindruck, es gehe eher um die vorsorgliche Besetzung (wahl)taktischer Positionen denn um die Sicherung der personellen Versorgung des Sozial- und Gesundheitssystems. Polemik mit zurechtgestutzten "Fakten" überwog. Solange der ORF sich nicht durchringt, das Polit-Theater durch mehr Experten zu versachlichen, solange wird er eine Mehrheit enttäuschter und meist auch verwirrter Zuseher hinterlassen. Dass daran die mit der Übersiedlung der Sendung ins ORF-Zentrum geplante Publikumspräsenz etwas ändern wird, ist leider zu bezweifeln.