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Sehr buntes Superheld-Portfolio

Von Christina Böck

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Da war wohl jemand in einem Image-Seminar. Am Mittwoch verkündete der Comic-Verlag Marvel, dass die Figur Thor ab sofort eine Frau sein wird. Und einen Tag später die nächste Neuerung im Superhelden-Portfolio: Captain America wird in Zukunft ein Afroamerikaner sein.

Thor ist dem nordischen Donnergott nachempfunden. Der größte Nachteil an der zeichnerischen Geschlechtsumwandlung ist, dass der aufgelegte Schmäh mit dem "Hammer schwingen" jetzt nicht mehr zieht. Kann man darüber streiten, ob es darum schade ist. Marvel und auch sein Konkurrent DC Comics haben in den vergangenen Jahren einige Änderungen vorgenommen. So wurde Spiderman, der früher im echten Leben der Weiße Peter Parker war, zum halb schwarzen, halb lateinamerikanischen Miles Morales. Der Held Green Lantern ist jetzt homosexuell, und zuletzt verwandelte sich Ms. Marvel zu einem muslimischen Mädchen.

Die beiden Comic-Verlage wollen damit ein bunteres Bild der Vielfalt der US-Gesellschaft zeigen. Tatsächlich sind alle diese Veränderungen ziemlich unsubtil dem Wunsch geschuldet, neue Leserkreise anzusprechen.

Ob das bei den weiblichen Lesern so simpel funktioniert, indem man einfach dieselbe Geschichte mit einem ausgetauschten Geschlecht erzählt, ist fraglich - so schlicht gestrickt sind Frauen auch wieder nicht. Mehr auslösen könnte freilich der schwarze Captain America. Dieser Superheld hat schon gegen die Nazis im Weltkrieg gekämpft, so wie auch viele schwarze Amerikaner, die keine Superhelden waren.

Spät kommt die Identitätsstiftung, doch sie kommt.