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Seibersdorf und Boku bündeln ihre Energien

Von Petra Tempfer

Wissen
Holz und Glas werden die Fassade der neuen Forschungsstätte in Tulln dominieren, wo auch Studenten ein- und ausgehen werden. Computergrafik. Foto: Arge Moser Podsedensek

Forschung wird sich der optimalen Nutzung natürlicher Ressourcen widmen. | Voraussichtliche Kosten betragen 60 Millionen Euro. | Tulln. "Wir wollen uns einer der großen Herausforderungen stellen und die optimale Nutzung von Boden, Wasser und Pflanzen erforschen", erklärt Georg Haberhauer, Bereichsleiter der Abteilung Biogenetics im Austrian Research Center Seibersdorf (ARC), gegenüber der "Wiener Zeitung". Die dafür nötige Entwicklung neuer Technologien soll in einer eigens errichteten Forschungsstätte mit europäischer Dimension in Tulln passieren - gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien, die mit Wissenschaftern und Studenten vertreten sein wird.


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Enge Kooperation

Bereits seit etwa drei Jahren wird laut Haberhauer über den Bau dieses Universitäts- und Forschungszentrums (UFT) diskutiert, der 60 Millionen Euro kosten soll. Nun ist die Finanzierung gesichert: 50 Prozent der Kosten wird das Land übernehmen, den Rest werden ARC und Boku über ihre Mieten bezahlen. "Jetzt geht es Schlag auf Schlag", meint dazu Projektleiter Markus Rebhahn, "für Mai 2009 ist der Baubeginn, Ende 2010 die Fertigstellung geplant."

In einem dreigeschoßigen Gebäude aus viel Holz und Glas werden auf 18.900 Quadratmeter Nutzfläche etwa 300 Forscher der Boku, 65 Mitarbeiter des ARC sowie rund 40 Dissertanten tätig sein, so Haberhauer. Die zwei Institutionen werden zwar räumlich getrennt sein, aber dennoch eng kooperieren und gewisse Labors gemeinsam nutzen. Während die Boku mit ihrer Abteilung für Pflanzen- und Umweltbiotechnologie sowie für nachwachsende Rohstoffe in Tulln vertreten sein wird, übersiedelt das ARC, das künftig "Institute of Technology" heißen wird, mit seinem Schwerpunkt Umweltbiotechnologie nach Tulln.

"Unser Ziel ist, gemeinsam mit der Boku ein Zentrum zu formen, das von internationaler Wichtigkeit ist", erklärt Haberhauer, "indem wir einen völlig neuen Aspekt der Forschung beleuchten: Wir wollen bisher als nutzlos angesehene, natürliche Ressourcen - etwa durch Schwermetalle oder Kohlenwasserstoffe vergiftete Böden - wieder verfügbar machen." Zu diesem Zweck sollen auch Wissenschafter und Studenten aus dem Ausland dem Team angehören. Ihnen werden Wohnungen im Forschungszentrum zur Verfügung stehen.

Die ausländischen Forscher werden nach Tulln übersiedeln müssen - so wie einige Österreicher auch. "Die biotechnologischen Aktivitäten von Seibersdorf werden zur Gänze nach Tulln verlegt", sagt Haberhauer, "daher werden die Wissenschafter sicherlich mit übersiedeln." Für Mitarbeiter mit Wohnsitz in Wien sei Tulln ohnehin besser als Seibersdorf erreichbar.

Technopol Tulln

Während das ARC mit Tulln ein neues Terrain betritt, ist die Boku bereits seit 2002 in der niederösterreichischen Stadt vertreten: Neben der Veterinärmedizinischen und der Technischen Universität Wien gehört sie dem Interuniversitären Department für Agrarbiotechnologie (IFA) an, das sich laut Forschungskoordinator Walter Schneider unter anderem der Energiegewinnung aus Futtermittel- und Lebensmittel-Reststoffen widmet. Auch biologische Wirkstoffe und die Lebensmittelsicherheit stehen im Fokus der Forschungsarbeiten. Derzeit wird ein Schnelltest entwickelt, der die Lebensmittelkontrolle vereinfachen und daher häufigere Stichproben ermöglichen soll.

Der Biotechnologie widmet sich seit 1994 auch die Fachhochschule Wiener Neustadt am Standort Tulln, die biotechnische Verfahren entwickelt. Diese wird gemeinsam mit dem IFA, dem Technopark, dem Technologiezentrum und der Zuckerforschung Tulln unter dem Begriff "Technopol Tulln" zusammengefasst, der zeitgleich mit der Errichtung des UFT um einen Komplex erweitert werden soll.