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Selbst im ÖGB scheitern die Fusionen

Von Walter Hämmerle

Politik

Nicht nur in der freien Wirtschaft, sondern auch wenn es um den ureigensten Bereich geht, sind dem Österreichischen Gewerkschaftsbund Fusionen alles andere als geheuer. Die Motive sind hier wie dort die gleichen: Es geht um Arbeitsplätze, Macht und Mentalitäten.


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So gesehen bildet die nunmehr gescheiterte Fusion zwischen Metallern und Privatangestellten ein ideales Beispiel: Das Top-Management, in diesem Fall Metaller-Chef Nürnberger und GPA-Vorsitzender Sallmutter, ist einander spinnefeind, Funktionäre beider Organisationen fürchten um Jobs und Macht; abgerundet wird das Bild von zwei Unternehmungskulturen, die angeblich unterschiedlicher nicht sein könnten.

Auch die offizielle Erklärung für den Abbruch der Gespräche, der laut ÖGB-Boss Verzetnitsch "kein Beinbruch" sein soll, ist aus der Wirtschaft wohl bekannt: Es soll am Geld gescheitert sein, oder besser gesagt an den unternehmerischen Aktivitäten der GPA, für die die anderen potenziellen Partner nicht das Risiko mittragen wollten.

Ins gewohnte Bild geplatzter Fusionen passen auch die Ausführungen zur weiteren Zukunft: Es sei jetzt noch zu früh, um über etwaige andere Zusammenschlüsse zu sprechen, erklärte Verzetnitsch. Zumindest die Zusammenarbeit auf betrieblicher Ebene sei ihm von allen Beteiligten glaubhaft versichert worden.

Offiziell wird die Fusion in den nächsten Tagen zu Grabe getragen. Die Metaller tagen am morgigen Freitag, die Agrar-Nahrung-Genuss am Montag und die GPA am Dienstag. Dort sollen die entsprechenden Beschlüsse getroffen werden. Bei den Druckern hatte man sich in weiser Vorahnung schon am vergangenen Montag auf ein Platzen des Projekts eingestellt.

Schadenfreude empfindet Verzetnitsch übrigens nach eigenen Angaben nicht mit dem Aus für die Fusion: "So ein großes und ambitioniertes Projekt besteht nur dann, wenn es Mitglieder und Funktionäre in aller Konsequenz mittragen." Und das war offensichtlich nicht der Fall.

Chronologie

8. Oktober 2001: Völlig überraschend geben Metaller und GPA bekannt, sich bis 2003 zu einer Großgewerkschaft zusammenschließen zu wollen. ÖGB-Boss Verzetnitsch wurde erst im letzten Moment über das Projekt informiert. Drucker, Agrar-Nahrung-Genuss und Chemiearbeiter schließen sich an.

6. März 2002: Das Gründungspapier der Großgewerkschaft wird unterzeichnet. Der Zusammenschluss soll 2004 erfolgen, ebenso der Einzug ins neue Gewerkschaftshaus in Wien-Erdberg.

28. Jänner 2004: Die GPA nimmt (wie Druck und Chemie) den Organisationsplan für die neue Gewerkschaft an.

29. Jänner 2004: Die Metaller verweigern dem Organisationsplan die Zustimmung.

21. Mai 2004: Die Chemiearbeiter geben bekannt, sich aus dem Projekt zurückzuziehen.

3. Juni 2004: Ein Spitzengespräch im ÖGB bleibt ohne Ergebnis. Finanzchef Weninger soll umstrittene Geschäfte der GPA klären.

6. August 2004: Weninger sieht Probleme ausgeräumt.

17. August 2004: Metallerchef Nürnberger stellt erstmals öffentlich das Fusions-Projekt in Frage.

8. September 2004: Verzetnitsch gibt das Scheitern bekannt.