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Selbst Natur gratuliert

Von Michael Schmölzer

Politik

Seit dem Sommer des vergangenen Jahres betreibt das immer noch kommunistische Nordkorea eine vorsichtige Öffnung nach außen. Gewisse Anachronismen halten sich trotzdem hartnäckig.


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Vor allem nach dem jahrzehntelangen Erzfeind Südkorea hat der bislang völlig isolierte Staat vorsichtig seine Fühler ausgestreckt. So ist beispielsweise ein - wenn auch vorerst rudementärer - grenzübergreifender Austausch von Handelsgütern und Personen in Schwung gekommen.

Byzantinischer Personenkult

Eines freilich hat sich auch in letzter Zeit nicht verändert: Der byzantinisch anmutende Personenkult, mit dem sich die Staatschefs Nordkoreas seit zwei Generationen zu umgeben pflegen. Ebenso wie sein verstorbener Vater Kim Il Sung lässt sich Sohn und Nachfolger, Kim Jong-Il, selbst von den Naturgewalten huldigen: Wie offizielle Medien des Landes jetzt berichten, hätten sich zum Anlass des 59. Geburtstages Kim Jong-Ils zahlreiche Schaupiele der wundersamen Art ereignet.

"Gleißendes Morgenrot"

Laut Nachrichtenagentur KCNA sei der legendenumwobene Geburtsort des kommunistischen Parteiführers, der Mount Paektu, bei Anbruch jenes Tages von einem "gleißendem Morgenrot" bestrahlt gewesen. Da nimmt es nicht Wunder, dass sich auch die offizielle Zeitrechnung der Selbstherrlichkeit Nordkoreas Führer nicht entziehen kann: So ist das Jahr Null mit dem Geburtsjahr Kim Il -Sungs festgesetzt.

Dass das nordkoreanische Volk kaum über politische Rechte verfügt und seit dem Zusammenbruch des großen "kommunistischen Bruders", der UdSSR, periodisch Hungerepidemien auftreten, ist freilich die Kehrseite der Medaillie.